Die Rückkehr der Söldner

Ein journalistisches Meisterstück über die Geschichte und Gegenwart des Söldnertums! Inmitten von Verschleierung und Überflutung mit Belanglosem, die im heutigen Jornalismus allgegenwärtig sind, liefert Tom Schimmeck im Deutschlandfunk eine  Beschreibung des privatisierten Krieges, der meinen Körper von oben nach unten mit einer Gänsehaut überzog. Trotz Leseempfehlung des ganzen Artikels folgend noch ein paar Zitate. Hier gehts zum Artikel.

„Heute erleben wir, dass die Welt der Söldner zurückkehrt. Deswegen wird nicht der Himmel einstürzen. Private Kriegsführung ist vielleicht nicht gut und nicht moralisch, aber historisch ist sie die Norm.“ […]

Begriffe wie „Special Risk Operator“ oder „High Risk Leader“. Wortgebilde, an denen George Orwell seine Freude gehabt hätte. Was war sein Job? McFate wird einsilbig. „Ich sage mal: Die Industrie, in der ich gearbeitet habe, hat Sachen getan, die traditionell die CIA oder Special Forces übernahmen.“ […]

Warum sollte ein Staat überhaupt hoheitliche Aufgaben an Konzerne delegieren? Ein Söldner, erklärt McFate lächelnd, stehe unter weniger Zwängen als eine Amtsperson. Er etwa genoss in Liberia volle Flexibilität:

„An einem typischen Tag habe ich zum Beispiel mit jemandem von der US-Botschaft gefrühstückt, dann mit Liberias Verteidigungsminister zu Mittag gegessen und abends ein paar Drinks mit einem Warlord und seinen muskelbepackten Kindersoldaten genommen. Das könnte ein US-Oberst oder –Diplomat nicht machen.“ […]

Für die Medien posierte Müller mit Eisernem Kreuz und Speer. „Ich habe den Westen, die westliche Freiheit, im Kongo verteidigt.“ […]

„Wenn wir heute eine Industrie schaffen, die in Konflikte investiert, wird diese an den konfliktträchtigsten Orten der Welt auftauchen; sie wird Kriege beginnen – und in die Länge ziehen.“ […]

„Die USA haben diese Branche in 15 Jahren Krieg im Irak und Afghanistan von einer Multi-Millionen- zu einer Multi-Milliarden-Branche hochkatapultiert.“ […]

„Zuallererst ist da ein ethisches Problem: Das Töten wird mit dem Profitgedanken verknüpft. Feuern wir so Kriege und Konflikte an? Die Antwort lautet: Ja.“ […]

„Ich weiß nicht, was wir tun können, um das staatliche Gewaltmonopol wiederherzustellen.“ Sean McFate wirkt tief beunruhigt. „Die USA haben nichts getan, um diese Branche unter Kontrolle zu halten. Es gibt keine Strafverfolgung. Wir werden in Zukunft noch mehr Söldner sehen.“ Das sei gelebte Deregulierung. Aus seiner Sicht fatal.

„Wir haben mehr Gesetze über die Herstellung von Spielzeugautos als über das Outsourcen von Feuerkraft. Was diese sehr wichtige Frage angeht, leben wir im Grunde in einem gesetzlosen Land.“

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Bild übernommen aus http://www.deutschlandfunk.de/privatisierter-krieg-die-rueckkehr-der-soeldner.724.de.html?dram:article_id=387559, dazu die Unterschrift: „Mitarbeiter der privaten US-Sicherheitsfirma Blackwater bei einem Bereich ihrer Arbeit: Personenschutz im Irak. (picture alliance / dpa / Ali Haider)“

 

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