Drohnenmord mit christlichem Segen

Was für kuriose Geschehnisse spielten sich doch in den letzten Tagen in der Hauptstadt ab. Eine eigentlich pazifistische Religionsveranstaltung, die zweite Wange hinhalten wenn man einen gezwitschert bekommt und so, artete zu einem Schauspiel des Bösen aus. Statt Bergpredigt und Weltfrieden gab es Aufrüstung und Militär. Ein Blick auf den evangelische Kirchentag in Berlin.

Wenn sich der Münchener Kardinal Reinhard Marx begleitet von starkem Beifall 500 Jahre nach der Reformation auf die Bühne stellt und den Willen zur ökumenischen Annäherung der beiden Kirchen bekräftigt, kommt zusammen was zusammen gehört: Die zwei mächtigsten Kirchen Deutschlands, jede für sich mit einem natürlichen Hang zur Kollaboration mit menschenverachtenden Regimen. Während die Rolle der Katholischen Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus bestens erforscht ist, hinkt die Aufklärung um die Rolle der Evangelischen ein wenig hinterher. Dabei kommen die Protestanten umso mehr in Erklärungsnot, wurden doch Martin Luthers ach so „in die Zeit fügenden“ hetzerischen Zitate zu den Juden von den Nazis ideologisch verwendet – Auch zu dieser Seite Luthers lässt die Aufarbeitung zu wünschen übrig und kommt 500 Jahre seit der Reformation nur sehr schleppend voran.

Die Geschichte sollte eigentlich gelehrt haben, dass man Vorsicht walten lassen sollte, wenn es darum geht, Menschen, die für das Leiden Anderer zuständig sind, eine Bühne zu bieten. So wurde ein religiöser Jubiläumstag zu einer Profilierungsveranstaltung für die sogenannte „westliche Wertegemeinschaft“ : Sehet wie fromm wir sind. Während die deutsche Kanzlerin den Irakkrieg von George W. Bush unterstützte, verstößt sie nun gegen das achte Gebot: „Du sollst nicht lügen“ , mit den Worten: „Ich habe nie einen Krieg unterstützt.“  Die Früchte ihrer Lügerei sollten sich auch in ihrem Regierungshandeln fortführen, schließlich steht sie an oberster Stelle einer Regierung, die sich dazu entschloss, den auf den Anschlag auf Charlie Hebdot folgenden französischen Rachefeldzug mit dem Eintritt in die „Anti-IS-Koalition“ , zu unterstützen, ohne dass nicht-militärische Optionen ausreichend ausgelotet wurden. Seitdem steht sie einem Land vor, das lustige Bildchen knipst, damit die entschlosseneren Partner mit angeblicher „chirurgischer Präzision“ das erzeugen können, was neudeutsch „Kollateralschaden“ genannt wird. Der Tod unschuldiger Menschen.

Die Federführung für diesen Völkerrechtsbruch (da ohne UN-Resolution) übernahm Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, welche ihrerseits auf dieser frommen Veranstaltung unter Protest durch AktivistInnen einen Ausblick auf ihre weitere Politik geben konnte: „Aber wir können uns durch Handeln ebenso schuldig machen wie durch Nicht-Handeln„. Dieses Zitat war in der selben Ausgabe der Saarbrücker Zeitung (27./28.05.2017) zu lesen, die eine Seite weiter in einem kleinen Kästchen über 106 tote Zivilisten, darunter 42 Kinder, berichtete. Hier wäre eigentlich „Du sollst nicht töten“ zu nennen, aber da es sich bei den Opfern um Familien von Daesh-Kämpfern handelt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, bringt uns das ja einen Schritt näher an den Sieg gegen diesen barbarischen Haufen und geht somit in Ordnung, oder, Frau Merkel und Frau von der Leyen? Eine christlich-demokratische Legitimation ist hier doch mindestens drin, nicht wahr?

Um ein Gegengewicht zu diesen zwei Kriegsdamen zu liefern, dachte sich die Evangelische Kirche, ein Friedensnobelpreisträger würde das Ganze ein wenig auflockern. Die Eigenleistung Barack Obamas diesen Titel, auf gut Glück schon im Voraus, zu erhalten war es gewesen „Yes we can“ zu rufen und sich, nicht nur in der Hautfarbe, irgendwie von seinen Vorgängern zu unterscheiden, nämlich indem er den Leuten Hoffnung auf eine friedlichere Welt machte, um diese Hoffnung danach mit Füßen zu treten. Während für diesen netten Herrn tagesschau.de zufolge der Glaube sein „Fundament in turbulenten Zeiten“ gewesen war und seine Präsidentschaft ihn mehr beten lies, bekam er jeden Morgen einen spirituellen Text auf sein Handy, mit dem er jeden seiner Tage begann. Obama, der in seiner Amtszeit den über Ramstein in der Pfalz geleiteten Drohnenkrieg massiv ausweitete, durfte wohl verdammt viele Gewissenskonflikte durchgemacht haben, nämlich jede Woche aufs Neue an dem Tag, an dem ihm die Drohnen-„Abschussliste“ auf den Tisch gelegt wurde, ganz zu Schweigen von Plagungen bei dem Wissen um die US-amerikanische „christliche Nächstenliebe“ in den Folterkellern überall auf der Welt, nur um noch ein weiteres Beispiel an Menschenrechtsverletzungen zu nennen. Falls dies der Evangelischen Kirche bis zu diesem Zeitpunkt aufgrund Blödheit oder mangelnder Recherchefähigkeit nicht bekannt gewesen sein sollte, so wurde sie spätestens bei Obamas Auftritt belehrt: „Manchmal haben meine Entscheidungen zum Tod von Zivilisten geführt, weil es Fehler gab. Aber es gab keine anderen Wege, um an Terroristen zu kommen. Deshalb haben wir versucht ein enges Rechtssystem aufzubauen. Drohnen selbst sind nicht das Problem, das Problem ist der Krieg“ (Zitat von Oskar Lafontaine übernommen).

An mangelnder Recherche liegt die „unchristliche Rednerkonstellation“ ebenso wenig, wie bei dem Anecken an die Nazis durch die Kirche schon lange vor ihrer faschistischen Machtübernahme. Es ist eine grundsätzliche Konformität mit menschenverachtenden Ideologien und Zuständen vonseiten der Evangelischen und Katholischen Kirche als Institution und eine feige Kritiklosigkeit, um ihre Machtposition zu behalten, wobei einzelne Lichtblicke in hohen Positionen ausgerechnet bei den höchsten Würdenpositionen, bei den Nachfolgern Petrus auszumachen sind. Auch beim „Fußvolk“ der Kirche, den Klerikern, Seelsorgern und Bediensteten, gibt es sehr gute Leute, die durch ihre seelsorgerische und karitative Arbeit vielen Menschen in ihrer Notlage helfen und beim Blick auf die oberen Hierarchien, beispielsweise bei dem in Berlin stattgefundenen Schauspiel des Bösen, nur den Kopf schütteln können.

Dabei wäre die Kirche ideal dafür geeignet, die barbarischen Zustände in der Welt, ausgehend von der Lehre Jesus Christus, zu kritisieren. Denn wie perfekt sich Menschen wie Merkel, von der Leyen und Obama in die seit Jahrzehnten etablierten Machtstrukturen einpassen und „dem System“ ein, mit Ausnahme von der Leyens, freundliches Gesicht verleihen, sie sind austauschbar und umgeben von einer krakenartigen um sich greifenden kapitalistischen Widerlichkeit, die millionenfach Menschen in eine von struktureller Gewalt unterdrückte menschenunwürdige Position bringt. Um dies in Zukunft zum Besseren zu verändern, müssen so viele Menschen wie möglich, auch innerhalb der Kirchen, Kritik an den Verhältnissen üben und den Worten die Gesellschaft zum Besseren verändernde Taten folgen lassen.


Man kann sich über die Machenschaften des US-amerikanischen Drohnenkrieges derzeit im Kino informieren. Filmtitel: National Bird. Hier eine Vorschau:

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Eine Antwort zu Drohnenmord mit christlichem Segen

  1. giskoe schreibt:

    Auf den Koppelschlössern der deutschen kaiserlichen Armeen stand: „Gott mit uns“ und in bester Tradition der Kreuzzüge werden ja auch heute noch neu Waffensysteme der Bundeswehr durch die „Seelsorger“ gesegnet. Und nicht zu vergessen das finanzielle Engagement der Vatican-Bank an internationalen Rüstungsunternehmen… – Also Traditionspflege 😦

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