„Hibakusha Weltweit“

Vom 9.09. bis zum 15.09.2016 wurde im Saarbrücker Atelier Nauwieser 19 die
Wanderausstellung „Hibakusha Weltweit“ gezeigt. Diese Ausstellung wurde von der
deutschen Sektion der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges

(International Physicians for the Prevention of Nuklear War, IPPNW) erstellt, von Karol Wojciechowski aus Berlin in die saarländische Landeshauptstadt geholt und in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung/Peter-Imandt-Gesellschaft, dem Friedensnetz Saar, dem Netzerk Selbsthilfe Saar sowie dem Kino 8 1/2 auf die Beine gestellt. Sie zeigt die gesundheitlichen und ökologischen Folgen der „Nuklearen Kette“ und zeigt die aus Jahrzehnten resultierenden Folgen für die Opfer, den Hibakusha, deren Leben durch die Atomindustrie und militärischer Nutzung beeinträchtigt wurden und denen diese Ausstellung gleichzeitig gewidmet ist.

Am 08.09.2016, einem Tag vor den unterirdischen Atomtests durch die nordkoreanische Regierung, wurde die Ausstellung eröffnet, zu der Jens Huber in Vertretung für Karol Wojciechowski die Eröffnungsrede gehalten hat. Mit einer Powerpoint-Präsentation, zusammengestellt durch den IPPNW-Vorsitzenden Alex Rosen, begann er mit der historischen  Entwicklung von Atomwaffen bis zum Abwurf auf Hiroshima und Nagasaki. Atomwaffen wurden beispielsweise in der ehemaligen Sowjetunion in Kasachstan über 400 mal gezündet, weltweit hat es seit 1946 mindestens 2000 Tests gegeben.
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In seinem Vortrag ging Jens Huber auf die Themen der Ausstellung ein: beginnend
damit, was für Schäden beim Abbau und der Aufbereitung von Uran entstehen und
welche Auswirkungen diese weltweit auf Mensch und Natur haben. Auch gab er den Hinweis, welche Rolle Atommüll für Terroristen spielen kann, wenn dieser für die Herstellung „schmutziger“ Bomben genutzt würde. Im weiteren Verlauf stellte Jens Huber eine Auswahl der 50 Ausstellungsplakate vor, welche nukleare Ereignisse auf jedem Kontinent zeigen, begleitet von umfangreichem Fotomaterial und Zeigen der Stellen auf der hinter ihm aufgebauten Weltkarte mit den eingezeichneten Ausstellungsorten. Neben den weitläufig bekannten Fällen wie Tschernobyl und Fukushima wurden auch viele weniger bekannte Fälle aufgeführt, welche historisch aufgrund von Geheimhaltungsabkommen lange geheim gehalten wurden und noch nicht im kollektiven Gedächtnis der Menschen angekommen sind. Vom Uranabbau, der Anreicherung und Atomwaffentests, über Unglücke in zivilen Atomanlagen, Unfälle von militärischem Gerät und Wiederaufbereitungsanlagen bis zu Uranmunition und Uranmüll, wurde ein umfassendes Bild der „Nuklearen Kette“ gezeichnet.
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In einem ergänzenden Vortrag ging Dr. Nikolaus Götz mit Lesungen und Literaturempfehlungen auf die Geschichte der „Strahlenden Zukunft“ ein, indem er einen historischen Überblick über die kritische Aufklärung über die Gefahren der Atomkraft gab. In einem literaturhistorischem Abriss stellte Dr. Nikolaus Götz unter anderen die Autoren Günter Anders („Die atomare Drohung“), Robert Jungk („Der Atomstaat“), Holger Strohm („Friedlich in die Katastrophe“) und Klaus Traube („Gegen den Atomstaat“) vor. Diese Ausstellung bietet, so Götz, „einen Beitrag zur Reaktivierung der Anti-AKW-Bewegung.“ Er wies auf die Ausgabe der Zeitung Das Parlament hin, welche das Thema zum Schwerpunkt hat und im gesamten Ausstellungszeitraum kostenlos zur Mitnahme auslag.
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Zum Schluß las Ambrosius Theis sein selbstverfasstes Gedicht zu den Themen
 Atomwaffen und -unfälle mit dem Titel „Super-Gau“ und gab damit zur offiziellen
Eröffnung der Ausstellung den Besuchern etwas zum Nachdenken mit auf den Weg.
Am darauf folgenden Abend, im Anschluss an den ersten Ausstellungstag, wurde der
Film „A2-B-C“ von dem Regisseur Ian Thomas Ash im hinter dem Ausstellungsraum
gelegenen „Kino 8 1/2“ gezeigt. Der Film wurde ungefähr ein Jahr nach dem
Reaktorunfall in Fukushima gedreht und zeigt, dass sich bei vielen dort lebenden
Kindern Schilddrüsenkrebs ausgebildet hat. Den Kindern und ihren Eltern, auch sie sind Hibakusha, wurde mit dem Film ebenso wie mit der Ausstellung eine Stimme gegeben.
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Ian Thomas Ash

Im Anschluss hatten die Besucher die Möglichkeit, dem an eine Leinwand projezierten
Regisseur über einen „Skype“-Anruf Fragen zu stellen und ihm Rückmeldung zu seinem Film zu geben. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit und kamen mit Ian Thomas Ash ins Gespräch, welches in der Vertuschung der Gefahren durch die japanische Regierung einen Schwerpunkt hatte. Der Regisseur schilderte am darauf folgenden Tag per E-Mail, dass er die Fragen als „great“ (toll) und die Beteiligung „beträchtlich“ empfand.

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Am darauf folgendem Montag wurde der Film „In the Greyzone“ vom gleichen Regisseur gezeigt, welcher nur einen Monat nach dem Gau in Fukushima gedreht wurde. Die Filme in der umgekehrten Reihenfolge zu zeigen, war bewusst gewählt, konnte so deutlich gemacht werden, wie es zur Ausbildung von Schilddrüsenkrebs bei über 115 Kindern alleine in Fukushima kam. Durch das Herunterspielen der Gefahren wurden schon nach kurzer Zeit nach dem Reaktorunfall an der „30-Kilometer-Zone“ Schulen wiedereröffnet, ohne dass sich die Strahlungswerte innerhalb und ausserhalb der Zone groß voneinander unterschieden. In dem Film kamen unter anderen die Mütter zu Wort, welche Fukushima aus finanziellen Gründen nicht verlassen konnten oder es nicht taten, weil nicht genügend über die möglichen gesundheitlichen Folgen aufgeklärt wurde. Auch Lehrer, Ärzte und Anwohner wurden zu ihrer Meinung zur Wiedereröffnung der Schulen gefragt, womit die Zuschauer ein Verständnis davon kriegen konnten, wie das Leben in einem verstrahlen Gebiet aussieht.
Im Anschluss an den Film wurde eine Szene aus dem dritten Film des Regisseurs zum
Thema Fukushima, bisher noch nicht veröffentlicht und mit Erlaubnis von Ian Thomas Ash, gezeigt. Die Kamera begleitete zwei Väter aus der Region, welche sich angesichts der langsam vorankommenden Dekontaminationsarbeiten der Regierung dazu entschlossen haben, selbst die Straßen von der gefährlichen Radioaktivität zu befreien. Die Bilder einer Straßenüberquerung in Fukushima, aufgenommen im Jahr 2015, die trotz oft wiederholter Dekontamination immer wieder aufs Neue hohe
Radioaktivitätswerte aufweist, rundete das Bild über die Situation in Japan ab – die
hohe Radioaktivität an dieser Kreuzung geht von den Kindern aus, welche die
Fußgängerüberquerung täglich benutzen, während Strahlung von ihnen ausgeht und
sich auf der Straße sammelt.
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Ein Kind aus Fukushima bekommt Schilddrüsenkrebs diagnostiziert – Szene aus dem Film A2-B-C

Die Ausstellung konnte eine Woche lang von den Bürgern Saarbrückens besichtigt
werden. Rund 90 Menschen nutzten die Gelegenheit, sich über die schädlichen Folgen der Atomindustrie und Militärs zu informieren. Diese wichtigen Themen waren eine Woche in Saarbrücken präsent und sollten auch in Zukunft niemals in Vergessenheit
geraten.
Vielen Dank an alle, die die Ausstellung ermöglicht haben!
– Gisela Ruge und Karol Wojciechowski
Die Ausstellung kann man sich für eine kleine Spende ausleihen und in seiner Stadt zeigen. Für weitere Informationen hier der Link: http://www.nuclear-risks.org/de/start.html?L=3
Hier noch Fotos von der blanken Ausstellung:

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Vielen Dank an Greenpeace-Saar für die gemeinsamen Werbeaktionen in der Stadt und an der Uni, hier der Link dazu (http://www.saar.greenpeace.de/artikel/hibakusha-weltweit) und ein paar Fotos von der Aktion:

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