Ein Emirat, Zwei Emirate, drei…

Wenn irgendwo, scheinbar aus dem Nichts, eine Terrororganisation entsteht, sind alle schockiert und empört. Fragen wie: „Wie konnte das passieren?“ werden schon nach kurzer Zeit überschattet von „Wie kann man nur so grausam sein?“ oder „Wir müssen sie bekämpfen! „.

Als der IS/daesh „scheinbar aus dem Nichts“ auftauchte, wurde zwar festgestellt, dass sich dieser barbarische Haufen zum großen Teil aus den Folgen des 2003 begonnenen Irakkrieges bildete, die Frage danach, wie sich so ein Gebilde unbemerkt organisieren konnte, war weniger relevant. Als dann einige Zeit später herauskam, dass US-amerikanische Geheimdienste von der Entstehung dieses barbarischen Haufens gewusst haben, jedoch nichts dagegen untenahmen, da sich seine Ziele mit denen der US-amerikanischen Interessen („Assad stürzen“) deckten, war dies nur klitzekleine Meldungen in den Nachrichten Wert. (Siehe dazu „Western-made-failed-state… und keine Sau interessierts“)

Damals war die Entsehung eines Kalifats also kein Geheimnis für den Geheimdienst DIA, jedoch aber für für uns gewöhnliche Menschen. Hätten wir unser Hirnschmalz eingesetzt wäre es natürlich auch für uns Normalos kein Geheimnis gewesen: Tausende von ehemaligen Soldaten und Offizieren des Hussein-Regimes in die Arbeitslosigkeit zu schicken und ihnen in einem vom Krieg zerstörten Land keine Alternative zu geben, kann nur in die Hose gehen.

Anders ist es heute,  wo wir „Normalos“ von der Entstehung eines weiteren Kalifats wissen. Dass sogenannte „moderate Rebellen“ in Syrien, welche sich die Errichtung eines Jihadisten-Emirats auf die Fahne geschrieben haben und in Anbetracht der jetzigen Kriegslage immer bessere Chancen haben dies zu erreichen,  Waffen, Geld und Ideologie von unseren Verbündeten (Saudi-Arabien, USA…) und bald evtl. auch von uns (Die BRD als Staat),  bekommen, ist kein explizites Geheimdienstwissen mehr. Seit Monaten wird von Experten davor gewarnt, dass die Organisation Jabhat Fatah sich diesen Namen gegeben hat, um die Zugehörigkeit zu Al-Qaida zu kaschieren, jedoch nach wie vor den Zielen von Al-Qaida verplichtet sei. Kein explizites Geheimdienstwissen, sondern für jedermann/-frau zugängliches Wissen, für das man nur bis zu dieser Stelle des Textes kommen muss (ich weiß nicht, ob es diese Info schon als „Meme“ gibt) und für jeden zugänglich, der sich dafür interessiert, z.B. zu lesen auf GermanForeignPolicy.

Das ganze wird um so schlimmer, wenn man weiß, dass die westliche Unterstützung von Al-Qaida keine Einmaligkeit ist, sondern auf eine jahrzehntelange Tradition zurückgeht (Siehe dazu: „Tod den Amerikanern„).

Sollte es zu diesem Szenario kommen, in dem Al-Qaida sein privates Kalifat errichtet und anfängt öffentlichkeitswirksam Köpfe rollen zu lassen, wird „Wie konnte das passieren?„(Siehe dazu: „Keep-rolling-Arabia„) schon lange geklärt sein. Leider ist zu vermuten, dass sich diese Frage in den Medien ganz schnell von „Wie kann man nur so grausam sein?“ oder „Wir müssen sie bekämpfen!“ überschattet wird, um die Entstehungsgründe dieses neuen Kalifats schnell wieder zu vergessen.

Wenn dieses Szenario eintrifft, werde ich vermutlich gerade an einem Artikel sitzen, in dem ich aufführe, wie gerade ein weiteres Kalifat mit westlicher Hilfe am entstehen ist. Eigentlich sollte ich mir diesen Text sparen können, dafür müsste es jedoch zu einem Umdenken in der Politik kommen, und zwar um 180 Grad…!

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2 Antworten zu Ein Emirat, Zwei Emirate, drei…

  1. brandy99 schreibt:

    Ich verfolge die amerikanische Politik nun schon mein Leben lang. Nach der Zerschlagung des Naziregimes haben sie seither wirklich nichts mehr sinnvolles auf die Reihe gebracht (Vietnam, Chile, Afghanistan,Irak, Natoverschiebung gegen Osten, Syrien). Die Menschen dort sind liebenswert, hilfsbereit, offen aber die Politik, ein einziger Graus.

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