Die Bundesregierung rät zur Katastrophenvorsorge…

…und die Medien berichten darüber. Welt, HuffingtonPost, Spiegel-Online, Südeutsche, Morgenpost, Nachrichten.de, und und und.

Die Nachricht verbreitet sich auch im Ausland. Anfragen aus der Verwandtschaft im Ausland erreichen mich: „Stimmt es, dass die deutsche Regierung zum Anlegen von Notreserven rät?„.

Über den Inhalt des 69-Seiten langen „Sicherheitskonzepts“ brauchen wir uns nicht zu unterhalten, dazu kann man besagte Zeitungsberichte lesen. Hier nur ein kurzer Gedanke zu dem Thema:

Handelt es sich um Panikmache oder um eine ernste Warnung vor einer Katastrophe?

Nun, erstmal kann man feststellen, dass wenn die Regierung oder die Landesregierungen dazu aufrufen, Reserven für den Notfall anzulegen, nicht immer eine unmittelbare Gefahr droht. Viel mehr kann es eine allgemeine Empfehlung sein, einfach aus dem Gedanken heraus, dass ein nationaler Notstand, sei es eine Naturkatastrophe, Energieknappheit oder ein Zusammenbruch der IT-Systeme, ohne derer unsere Lebensmittelversorgung innerhalb kürzester Zeit lahmgelegt wäre, eintritt. Aufforderungen zu Hamsterkäufen werden immer wieder herausgegeben, in der Regel werden sie aber von ganz wenigen Menschen berücksichtigt. Ein Blick auf die vollen Lebensmittelregale reicht aus, um Menschen, welche bei sich Zuhause Vorräte im großen Stil horten, gerne mal zu belächeln. In einem TAZ-Artikel aus dem Jahr 2009, kann man nachlesen, wie die Bundesregierung in Hinblick auf die Folgen der Weltwirtschaftskrise den Bundesbürgern zu Hamsterkäufen riet, ohne dass Deutschland von den Folgen betroffen war. Die Affinität der Medien und der Menschen auf die aktuelle Warnung könnten also der durch die Angst vor Anschlägen geschaffenen generellen Stimmung in Europa geschuldet sein. Hier gehts zu dem TAZ-Artikel.

Andererseits: Was wissen wir schon? Die allgemeine Skepsis gegenüber den Medien, und damit ist nicht nur die Missgunst in rechten und linken Kreisen gemeint, sondern der sich in den Umfragen und der allgemeinen Stimmung zeigende Widerwille gegenüber der „tendenziösen Berichterstattung“ in der breiten Bevölkerung, zeigt, dass man heutzutage nicht gut informiert über das Weltgeschehen ist. Sollte sich in Europa etwas größeres anbrodeln, so ist nicht auszuschließen, dass es bis zur letzten Minute zurückgehalten werden kann. Mit „was größerem“ ist durchaus Krieg gemeint. In dem Fall könnte eine ausgesprochene Warnung ein Mittel sein, die Bevölkerung in einem gewissen Maße auf das kommende vorzubereiten.

Ich bezweifle zwar, dass es sich um eine ernste Warnung vor etwas Unmittelbarem handelt, weil dies rein spekulativ ist. Bezüglich einer erhöhten Anschlagsgefahr gibt der Bericht selbst Entwarnung, es sollen keine derartigen Kenntnisse existieren (wobei dies ja auch gelogen sein kann, über nachrichtendienstliche Kenntnisse wird ja so oder so geschwiegen). Doch es wäre töricht anzunehmen, dass für die „Großen“, wer auch immer das sein soll (die Machthaber im Zirkel von hochrangigen Politikern, Militärs und Entscheidungsträgern), eine Rückkehr des Krieges auf europäischem Boden ausgeschlossen ist. Man schaue nur auf die schon lang andauernde Aufrüstung die im Gange ist. Dazu das Vorwort meiner Ausarbeitung über die Schwarzmeerflotte auf der Krim:

„Den russischen Präsidenten Putin, den Kreml und das Russische Volk zu verstehen oder versuchen zu verstehen heisst nicht in jedem Punkt mit ihnen einer Meinung zu sein und jedes Verhalten gut zu heissen. Es bedeutet Verständnis zu entwickeln für eine schwierige Situation,
und das auch, obwohl die Reaktion mit der Annektion der Krim nicht unbedingt die friedlichste aller Lösungen gewesen ist. In der öffentlichen Diskussion wird der Takt der Ukrainekrise durch Fingerzeigen auf den „Bösen Putin“ dominiert. Kritiker dieser einseitigen Betrachtung werden mit dem diffamierenden Wort „Putinversteher“ ins Abseits gedrängt.
Doch in Zeiten, in denen ehemalige hochrangige Politiker wie Helmut Schmidt und Michail Gorbatschow, der 1990/91 mitverantwortlich für die Entspannung zwischen Russland und dem Westen war, vor der wachsenden Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen Ost und West, einem neuen Kalten Krieg, warnen, ist es wichtig die Beweggründe des Gegenüber zu verstehen. Denn nur durch Zusammenarbeit und offene Gespräche, weg von Anschuldigungen und Vorwürfen, kann eine neue Friedensordnung, wie Willy Brandt und Egon Bahr es mit ihrer Ostpolitik im Sinn hatten, erreicht werden. Genau gegenteilig wirken Sanktionen, ideologische Mobilmachung zur Militarisierung, die Erhöhung von Militärbudgets in den Baltischen Staaten und abschreckende Militärmanöver entlang der NATO-Außengrenze.
Diese erhöhen nur die Gefahr der Eskalation zu einem „heißen Krieg“. Angesichts der sich
gegenüberstehenden Atommächte USA und Russland und der Ukraine als Konfliktherd auf
europäischem Boden, ist es die unerlässliche Aufgabe der Friedensforschung zu versuchen,
seine Gegenüber zu verstehen und somit den Weg für Friedensgespräche zu ebnen.“
Na was denn jetzt?
Panikmache? Möglich, eher sogar wahrscheinlich. Das Vorgehen erinnert an Methoden aus dem Kalten Krieg, in denen solche Ängste permanent geschürt wurden. Doch vielleicht werden die schon seit Jahren immer wieder durch Regierungen und Landesregierungen  ausgesprochenen Empfehlungen  von mehr Menschen ernst genommen, auch wenn jetzt erst mal ein Supermarkt-Run zu erwarten ist, der dann nach und nach abebbt, um dann von den Leuten wieder vollends vergessen zu werden.
Diese schon seit langem immer wieder ausgesprochenen Warnungen sind jedoch sinnvoll
Der durchschnittliche Mensch im 21. Jahrhundert hat seine komplette Lebensmittelversorgung an multinationale Konzerne abgegeben. Ein Blick auf die Praktiken dieser Konzerne zeigt sofort, was für ein Irrsinn dies ist.
Wenn es also zu einem Notstand kommen sollte, sei es durch einen Krieg, oder aber ein Ausfall der infrastrukturellen Systeme, so könnte dies Not und Leid schlimmsten Ausmaßes bedeuten, weil Menschen sich zu 100 Prozent von der Industrie abhängig gemacht haben. Die in Notständen aufkommende Notwendigkeit zu improvisieren, würde bei vielen allein schon aus mangelndem Wissen über die notwendigsten Überlebenstricks, die für unsere Vorfahren noch selbstverständlich waren, scheitern.
Hier gilt es jedoch eine gesunde Balance zwischen Panik und der ernsthaften Überlegung zu ziehen, ob es nicht sinnvoller wäre, sich zumindest das Wissen anzueignen, halbwegs autark leben zu können. Bedeutet: Ohne Strom, mit begrenzten  Vorräten, mit dem was vor der Haustür wächst, in Verbindung mit seinem sozialen Umfeld, einen Notstand, eine Krise, zu überwinden. Dies bedeutet auch: Zurück zur Natur zu kommen und eine Beziehung zu seiner Nahrung zu finden.
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6 Antworten zu Die Bundesregierung rät zur Katastrophenvorsorge…

  1. brandy99 schreibt:

    Ob sie wohl bald wieder mit einem neuen Regierungsbunkerbau beginnen?

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    • karolwojci schreibt:

      Das wäre die Härte. Vielleicht gibt es solche schon? Ich hab mal über so Bunker für Extremreiche gelesen, auch in Deutschland. Im Krisenfall wird man vom Chaffeur zum nächsten Heliplatz geflogen und von dort dorthin. Ähnliche „Sicherheitsplätze“ für Regierungsleute gibts bestimmt auch hier. Aus den USA kenn ich das aus Hollywood, ich meine das war bei „Tempelritter“ mit Nicolas Cage^^

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  2. alltagsfreak schreibt:

    Und nun gibt es noch die Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht… Wir sind wohl auf dem „besten Weg“….

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    • karolwojci schreibt:

      Danke für diese Anmerkung. Leider könnte man in den Artikel eine sehr lange Liste an Maßnahmen zufügen, die derzeit im Gange sind. Neben deinem Beispiel auch: Die Diskussion um den Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Dazu ganz nebenbei: Es gibt Bundesländer, in denen sogeannte „Hilfspolizisten“ nur einen „Crashkurs“ vor ihrem mehr oder weniger spontanem Einsatz absolvieren. Das während über die letzten Jahrzehnten ganz viele Polizeistellen gestrichen wurden.
      Dann noch die geplante Erhöhung des Wehretats, die echt dick ausfällt.. Insgesamt gesehen stauchelt sich hier was zusammen, und dieses „was“ bedeutet nichts Gutes….

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  3. Pingback: Ausgehamstert, Sichtweise und mehr als 140 Zeichen – alltagstauglichkeitstest

  4. der einsiedler schreibt:

    wodka, zigaretten und rotwein müssen für 10 tage reichen:

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