10.000 vermisste Kinder *klick*/*umblätter*

Diese bürokratische Gleichgültigkeit kann nicht unsere moralischen Standards bestimmen. Wenn ein Hund verloren geht, verbreiten die Menschen dringliche Nachrichten auf ihren Facebook-Seiten. Doch wenn wir der größten Anzahl von vertriebenen Kindern seit dem Zweiten Weltkrieg begegnen, gehen wir in einer Unzahl von [bürokratischen] Institutionen unter. Das ist eine Schande.“- Hilde Vautmans (übernommen aus NDS, Link siehe unten)

 

Stimmt was nicht mit mir?

Warum wusste ich von den 10.000 vermissten Flüchtlingskindern in Europa und habe mich nicht empört?

Hab ich mich nicht empört? Ich erinner mich nicht mehr.

Aber ich erinner mich, dass ich über die 10.000 Kinder las.

Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich nicht empört hab.

Weil es ein Skandal ist.

Aber ich hab mich nicht empört. Ich hab weitergeklickt. Jetzt weiß ichs wieder.

Oder umgeblättert, so genau weiß ich es auch nicht mehr.

Aber empört hab ich mich nicht.

Obwohl ich „96 Hours“ mit Liam Neeson gesehen hab.

Warum eigentlich nicht?

Hab ich einfach nicht weitergedacht?

Nicht weitergedacht, was es für ein Kind bedeutet alleine auf einem fremden Kontinent zu sein?

Organraub, Vergewaltigung, Zwangsprostitution, Rekrutierung für eigene Zwecke, Sklaverei.

Ich dachte einfach: klick weiter.

Oder blätter weiter, so genau weiß ich es auch nicht mehr.

Vielleicht dachte ich: Die finden sich schon noch.

Oder ich dachte mir nichts. Jetzt weiß ichs wieder.

Aber warum nicht?

So genau weiß ichs dann doch wieder nicht.

Vielleicht, weil andere auch nichts gedacht haben?

Weil die 10.000 Kinder für uns nichts als eine Nachricht darstellten, eine Information?

Eine Nachricht unter vielen Nachrichten, die uns mit der heutigen Informationsflut täglich erreichen.

Das Denken abschaltet.

Keine Verbindung zu Liam Neeson aufbaut.

Keine Spur von: Organraub, Vergewaltigung, Zwangsprostitution, Rekrutierung für eigene Zwecke, Sklaverei.

Was stimmt nur nicht mit mir?

 

Siehe den Artikel „Vom Schicksal der Verdammten“ von Emran Feroz.

 

 

 

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Dieser Beitrag wurde unter Grübelstübchen-Texte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu 10.000 vermisste Kinder *klick*/*umblätter*

  1. giskoe schreibt:

    Hat dies auf giskoes gedanken rebloggt.

    Gefällt mir

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