Zahnpasta? Oder lieber Sarin?

Vor einiger Zeit hat mir ein Dozent im Studium ungefähr folgendes gesagt: „Wenn du einen Job bekommst, in dem du mit Flour arbeiten musst, nehme ihn nicht an! Auch wenn du Handschuhe bekämst.“ Der Grund: Fluor ist extrem giftig.

Irgendwann später war ich beim Zahnarzt und habe ihn gefragt, was es für einen Unterschied zwischen billiger und teurer Zahnpasta gäbe. Der Grund für die Frage: mein armer Studentengeldbeutel schrie nach Gewissensberuhigung. Er sagte, dass es keinen Unterschied mache und alles nur Marketingtricks seien. Und fügte hinzu: „Hauptsache Fluoride sind drin enthalten. Die sind wichtig„.

Die Gedanken über die mahnenden Worte meines Dozenten, über das giftige Flour, waren schon lange aus meinem Gedächtnis verschwunden. Ab und zu kam mir beim Zähneputzen ein gewisses Unbehagen. Putz ich mir die Zähne mit Gift?

So ein Schwachsinn. Warum denn auch? Das tun doch alle! Wieso sollten Flouride giftig sein? Das wäre doch lange bekannt! Warum sollte ich popeliger Student mir Sorgen um meine Zahnpasta machen, wenn es doch sonst keiner tut? Warum sollte ich gegen den Strich ziehen und meinen Zahnarzt hinterfragen?

Doch ein leichtes Unbehagen blieb. Also googelte ich nach. Ich klickte wahrscheinlich das erste Ergebnis an, wie es ein fleißiger Googler es so tut. Und ich las etwas wie: „die in Zahnpasta enthaltene Menge des Flourwasserstoffs ist so gering, dass sie für den menschlichen Körper nicht schädlich ist“. Puh. Nochmal Glück gehabt. Aber der kritische Student gibt sich mit einem Forumbeitrag nicht zufrieden. Ich gehe höchst wissenschaftlich auf Wikipedia und lese unter dem Beitrag Fluoride: „In einer Tube Zahnpasta (100 g bzw. 75 ml) mit einem Fluoridgehalt von 1000 ppm (parts per million, Teile einer Million) befinden sich 100 mg Fluorid. Ein 15 kg schweres Kind hätte beim Verzehr der gesamten Tube Zahnpasta die wahrscheinliche toxische Dosis damit überschritten.“ Puh. Nochmal Glück gehabt. Wenn eine Tube Zahnpasta grade mal  („wahrscheinlich„) so einen kleinen Wicht von 15 kg Masse platt macht, kann sie mir 90-Kilo „Tier“ mit Sicherheit nichts anhaben. Nun konnte ich beruhigt schlafen, ich hatte die gesamte Volksweisheit, ohne der „der Deutsche“ nicht ruhig Zähne putzen könnte, mit einem kurzen „Recherche“aufwand aufgenommen. Also ging ich ins Badezimmer, riss die Schranktür auf und putzte mir die Zähne bis mir das Zahnfleisch blutete. Ich gab ein Geräusch von mir: „Ahh„, ich spürte nichts als Frische in mir.

Das ging eine Zeit lang so. Und dann kam Assad. Auch wenn Assad es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht war, der 2013 mit seinem Giftgas rumhantierte und sein Volk vergiftete (Artikel dazu ist in Planung), so haben mir zumindest die Medien  erfolgreich weiß gemacht, dass Assad es war. Dieser „Barbar“ nutzte also das gleiche Teufelszeug, wie es schon im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. Geübt im googeln machte ich mich auf: Was zum Henker ist Giftgas. Die Antwort: Sarin. Was zum Henker ist Sarin? Methylfluorphosphonsäureisopropylester. Ich schaue dieses Monstrum an und mein für Zahnpasta geschultes Auge fing an scharf zu stellen….

Methylfluorphosphonsäureisopropylester.

Methylfluorphosphonsäureisopropylester.

Methylfluorphosphonsäureisopropylester.

Methylfluorphosphonsäureisopropylester.

Methylfluorphosphonsäureisopropylester.

Da war es wieder: Fluor. Dieses Teufelszeug. Die Skepsis kam mit einem Schlag zurück. Fluor war also im Giftgas enthalten. Das Zeug von dem die Alliierten und Assads Opfer wie die Fliegen fielen. In meiner Zahnpasta!

Seitdem putzte ich nicht mehr wirklich gerne die Zähne. Oft dachte ich gar nicht daran. Ich putzte einfach geistesabwesend meine Zähne- mal bis das Zahnfleisch blutete, mal nur kurz, weil ich kein Bock hatte. Und manchmal fand ichs komisch. Stellte mir vor wie sich diese giftigen kleinen Fluoride in meinem Mund ausbreiteten, der ein oder andere sich dann durch meinen Gaumen, über den Rachen, am Kehlkopf vorbei durch meine Speiseröhre schlängelte, sich durch den Magen und den Darm boxte. Oder wie viele dieser fiesen Moleküle es sich auf diesem langen Weg schon in meinen Körperzellen gemütlich machten und dort ihre fiesen Pläne schmiedeten: dort zu bleiben, meine Gastfreundschaft zu nutzen und mir irgendwann den Stinkefinger zu zeigen, mir irgendeinen scheiß anzudrehen, mir die Venen zu verkalken oder sonst was.

Aber so bin ich nicht, so ein Schwarzmaler. Ich putzte weiter monatelang meine Zähne, mit der Volksweisheit und der grinsenden Visage meines Zahnarztes im Hinterkopf. Die mahnenden Worte meines Dozenten und der fiese Assad verschwanden irgendwo tief in meinem Unterbewusstsein.

Und dann kam gestern. Als ich einen Artikel meines Bloggerkollegen von der nilzeitung las. Er verlinkte auf den Blog: Your perception is not reality mit dem Untertitel: “We’ll know our disinformation program is complete when everything the American public believes is false”, einem Zitat von dem ehemaligen CIA-Direktor William Casey aus dem Jahr 1981. Was ich dort las, verkalkte mir glatt die Venen. In der Überschrift stand, dass flouriertes Wasser meine Arterien verkalkt. Und die Quellen, die dort benutzt wurden waren tatsächlich seriös. Science-naturalnews, GreenMedinfo, und letzte jedoch nicht geringste: NCBI, gleich zwei mal (hier und hier). NCBI strotzte nur so vor Seriosität für mich, habe ich doch die halbe Bachelorarbeit damit verbracht mich durch die medizinischen, chemischen und biologischen Publikationen dort zu klicken. Schließlich traf ich sogar auf eine Kampagne, die sich voll und ganz dem Kampf gegen Fluoride verpflichtete. All die Fluor-Gestalten flogen an meinem geistigen Auge vorbei: mein Zahnarzt, das Volk, Wikipedia, mein Dozent, Assad…

Was sollte ich jetzt tun? Meine Zahnpasta hastig in die Kanalisation drücken und Fluor für immer aus meinen vier Wänden verbannen? Oder mir einreden, dass das Zeug nur für Ratten schädlich ist, wie es jeder „vernünftige“ Mensch und die Medien es tun würden? Vergeblich darauf warten, dass die Sache skandalös durch die Medien gepeitscht wird, wie es bei Glyphosat im Bier oder Aluminium im Deo der Fall war? Oder vielleicht mich komplett von Chemikalien verabschieden, kein Duschgel, kein Labello, keine Sonnencreme mehr benutzen? Wie kommen die Amseln eigentlich auf die beschissene Idee ihrer Bevölkerung Fluoride ins Wasser zu mischen mit der Begründung, dies sei gut gegen Karies? Putzen die sich nicht so oder so die Zähne?

Wie ichs dreh und wende ich komme zu einem Schluss: Die Industrie wird uns immer das günstigste und für sich praktischste andrehen, einen Pfiff auf die Gesundheit gebend. Die Zeitung und die Glotze werden uns immer sagen, dass es „in den Mengen“ nicht gesundheitsschädlich ist. Wenn ich eine „Verschwörungstheorie“ konstruieren wöllte, würde ich an der Stelle fragen, ob das nicht vielleicht sogar bewusst gemacht wird, um mehr Profite in der Medizin und Pharmazie zu erzielen? Wir, und damit ist auch mein Zahnarzt und von mir aus auch Assad, sollten immer hinterfragen, nicht gutgläubig irgendwelchen „Experten“ und Volksweisheiten glauben. Wenn die Weisheit des Volkes besagt, Flouride seien „in den Mengen“ nicht giftig sollten wir einfach mal die Frage stellen: „Habt ihr einen Menschen Jahre oder Jahrzehnte lang die Zähne mit fluoridhaltiger und einen anderen Menschen mit fluoridloser die Zähne putzen lassen?“ Damit die Aussage gültig wird, müsste nicht nur zusätzlich für 50 weitere Versuchspersonen pro Gruppe das gleiche gelten, sondern man müsste auch alle anderen Faktoren ausblenden können. Und bei den vielen sonstigen Faktoren, mitunter den ganzen anderen Giften, die wir täglich aufnehmen, ist der Rückschluss auf die gesundheitliche Wirkung von Fluor gar nicht möglich. Das ist nämlich die Art und Weise in der so schwachsinnige  Schlagzeilen wie „Wurst ist krebserregend“ entstehen. Man lässt eine Gruppe ein paar Jahre lang Wurst fressen und eine andere nicht, hat in der Wurstgruppe eins, zwei Krebsfälle mehr als in der anderen und sagt: „Wurst ist krebserregend„, ohne zu fragen, ob die Wurstgruppe nicht allgemein ungesünder lebt als die ohne Wurst.

Zahnpasta die Kanalisation runterspülen oder nicht?, ein Wörtchen mit meinem Zahnarzt sprechen oder nicht?, Assad dafür auslachen, dass er sich das selbe Zeug in die Zähne schmiert mit dem er seine Bevölkerung niedermetzelt (wie gesagt ein Artikel zu dem Thema ob Assad es war folgt) oder nicht? Das darf jeder für sich selbst entscheiden. Was für den Leser aus dem Artikel bleiben sollte, ist, dass man nun weiß was Methylfluorphosphonsäureisopropylester ist. Nämlich Sarin. Oder war es Zahnpasta?

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6 Antworten zu Zahnpasta? Oder lieber Sarin?

  1. brandy99 schreibt:

    Ja, gute Frage. Aus diesem Grunde habe ich mal eine ganze Zeit lang Salzzahnpasta genommen. Erfolg: Zahnfleischprobleme und der Zahnarzt schwor, dass der Zahnschmelz unbedingt Fluor benötigt. Was tun? Vor dieser Frage werden wir alle stehen aber weiter die Zähne mit Fluorzahnpasta reinigen.

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  2. Nilzeitung schreibt:

    Hat dies auf nz rebloggt.

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  3. Alice Wunder schreibt:

    Es kann einem auch kein Mensch erklären, wie das äußerlich angewandte Fluor in den Zahnschmelz gelangen soll. Und wer sich übrigens mal klar macht, wie zerstörerisch für alles Sauerstoff eigentlich ist, der hört gleich auf zu atmen.

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    • karolwojci schreibt:

      …bleibt nur zu hoffen, dass Verantwortliche, wer auch immer das in diesem Bereich ist, mal in die Zwangslage kommen, sich solchen Fragen zu stellen. Dafür müsste das Thema aber breit diskutiert werden, was leider nicht abzusehen ist.

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  4. Pingback: Physiker beobachten weltweit erstmals, wie Nano- Goldpartikel durch Zellmembranen wandern | Grübelstübchen

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