Der „Sheriff“

Am 07.02.2013 titelte die DailyMail: „Former Airline Pilot and conspiracy theorist `shot dead his two teenage children and his dog before turning the gun on himself´“. Das Massaker wurde von Phillip Marshall ausgeführt, so der Zeitungsbericht und so auch die spätere Ausführung des „Sheriffs“. Und so muss es auch gewesen sein. Der „Sheriff“ sagt es.

Zwei Freunde der erschossenen Kinder fanden die massakrierte Familie, als sie nach ihnen schauen wollten und durch das Fenstern schauten, als ihnen niemand aufmachte. Die erschossenen Kinder waren 14 und 17. Ihre Namen waren Micalia und Alex. Sie war ein aufgewecktes Mädchen, kam gerade in die High-School. Der Junge spielte Football. Der Hund hieß Suki. Alle drei hatten eine Kugel im Kopf.

Ein an „Verschwörungstheorien“ kaputt gegangener Psychopath?

Phillip Marshall könnte man als das bezeichnen, was der Volksmund  abwertend „Verschwörungstheoretiker“ nennt. Woran arbeitete Phillip Marshall zu seinen Lebzeiten, dass dieses Anhängsel in seinem Namen den Leuten in Erinnerung bleiben wird?

Er beschäftigte sich kritisch mit dem 11. September 2001.

Und er schrieb Bücher darüber. Ihre Brisanz und ihr Provokationspotential kann man schon in den Titeln erahnen. Sie heißen: „False Flag 911: How Bush, Cheney and the Saudis Created the Post-911 World“ und „The Big Bamboozle: 9/11 and the War on Terror„. Über ein Jahrzehnt recherchierte er zu dem Thema. Als er sich und seine Familie erschoss (oder erschossen wurde) befand er sich inmitten der Recherchen zu einem neuen Buch. Freunde sagen, er hatte wieder reichlich brisantes Material gesammelt. Während er das Buch schrieb glaubte er, sein Leben sei in Gefahr. Die Santa Barbara View nennt das „Paranoia“. Er beschuldigte die Regierung unter George W. Bush unter einer Decke mit der Saudischen Regierung zu stecken und mit ihr gemeinsam die Entführer der Flugzeuge das Fliegen beigebracht zu haben. Harter Tobak.

Der 11. September 2001 ist kein Thema für diese Seite. Es sind zu viele Informationen zu dem Thema zu finden. Und ebenso viele Desinformationen. Das überlässt das Grübelstübchen den Profis. Nein, nicht die Profis von der Regierung. Den anderen. Die Profis die von vielen bekämpft irgendwo unter dem Namen „Truther“ vor sich hinvegetieren. Aber zurück zu Marshall.

Marshall war ehemaliger Pilot. Er legte seine Sicht der Dinge, die Sicht eines Piloten, zum 11. September dar. Er sagte ein paar arabische Höhlenmänner hätten den Anschlag gar nicht machen können, dass auf die professionelle Art und  Weise in der  die Maschine die am 11. September in Washington „einflog“…, dass er selbst dieses Manöver als Pilot mit langjähriger Erfahrung, auch mit Copilot, nicht hätte fliegen können. Mit einer Simulation flog er dieses Manöver nach… und brauchte als langjähriger Profi vier Anläufe, um es zu schaffen. Der „Höhlenmann“ flog zum ersten Mal ein Passagierflugzeug und legte direkt das perfekte Manöver hin.  Weiter behauptete Marshall ihm lägen dutzende Dokumente vor die bewiesen, dass das Flugtraining der Terroristen in Kalifornen, Florida und Arizona stattfand. Moment, kein Thema fürs Grübelstübchen, ich vergas.

Hören wir trotzdem noch kurz Marshalls Worte zu Lebzeiten: „Think about this. The official Version about some ghost (Osama bin Laden) in some cave on the other side of the world defeating our entire military Establishment on U.S. soil is absolutely preposterous.“

Der Sheriff und die Suche nach der Wahrheit

Ein wenig später begab sich ein Journalist für eine ganze Woche in das Heimatkaff von Marshall, eine „gated community“. Einer mit dem Beinamen „investigativ“. Wayne Madsen ist sein Name. Redete mit den Menschen dort. Was er herausfand sind keine Beweise die den Fall aufklären. Aber er berichtet über ein paar Merkwürdigkeiten.

Dass sich der rechtshändige Marshall mit links in die Schläfe schoss nachdem er seine Familie und sein Hund massakrierte. Dass auch nach Abschluss der Untersuchungen durch den lokalen Sheriff irgendwelche Leute bei Dunkelheit mit Taschenlampen in das Haus einbrachen und was suchten. Dass ein SUV von der Regierung mit ausgeklappter Antenne vor dem Haus parkte (zugegeben man muss nicht alles komisch finden was er komisch findet). Dass die Hintertür beim Mord aufstand und die Nachbarn behaupten, Marshall und seine Familie hätten nie die Hintertür benutzt.

Aber das spielt ja auch gar keine Rolle mehr. Das es sich bei Marshall um Selbstmord handelte ist ja schließlich geklärt. Es kam nicht umsonst vom „Sheriff“ höchstpersönlich.

Zweifle nie an der These des „Sheriffs“

Über diese „Kuriositäten“ im Fall Marshall durfte ein gewisser Kevin Barret im Iranischen Fernsehen berichten. Barret war laut der iranischen Moderatorin im wissenschaftlichen Gremium zu den Anschlägen am 11. September. Den Untersuchungsbericht zu den Anschlägen bezeichnet er als einen  „Roman“.

 Als Gegenpart wurde ein gewisser Lee Capin eingeladen. Capin führt, wie Madsen, den Beinamen „investigativ“, auch wenn er ihn nicht verdient hat. Für den Fall Marshall legt er nämlich folgende „unwiderlegbare“ „investigative“ Beweise vor:

a) Der „Sheriff“ sagte es war Marshall.

b) Seine Tochter schriebe an dem Tag des Mordes eine Nachricht zu einer Freundin, ob es in Ordnung gehe, wenn sie die Klauen ihrer Katze auf das Gesicht ihres Vaters werfe.

c) Seine Frau lies sich von ihm Scheiden und er hatte Depressionen.

Wie gesagt: unwiderlegbare Beweise. Also so lange wie man sich nicht die Scheidungs- und Depressionsraten amerikanischer Eheleute anschaut, Familienkrach als Grund für ein Massaker nimmt und einem „Sheriff“ wie einen Alleswisser betrachtet.

Mehr inhaltliches zum Fall Marshall kam vom „investigativen“ Capin nicht. Stattdessen war er den Rest der Sendung damit beschäftigt zu erklären, welch ein „Verschwörungstheoretiker“, sein Gegenpart, der noch inhaltliches zum Fall Marshall berichtete, doch sei.

Das Wort, welches alle Diskussionen beendet. Das Wort für all diejenigen, die nicht dem „Sheriff“ glauben.

Leben, solange man die Fresse hält

Ich behaupte nicht, dass  die Theorien die Marshall, „the leading aviation expert on the September 11th attack“, über den 11. September die Wahrheit für sich gepachtet hat. Ich behaupte auch nicht, wie einige es tun, dass er wegen seiner brisanten Recherchen zu diesem Thema umgebracht wurde.

Er könnte tatsächlich ein Psychopath gewesen sein. Einer der bei seinen Recherchen zum vierten Buch keine Lust mehr hatte und seine Teenagerkinder inklusive Hund erschoss. Er könnte aber auch aus anderen Gründen umgebracht worden sein.

Zum Beispiel aus den gleichen Gründen, für die andere seiner Leidensgenossen aus dem Leben treten mussten. Aus den gleichen Gründen warum Gary Webb und Barry Seal „gehen“ mussten.

Leidensgenosse zu sein heißt in dem Fall für die US-amerikanische Regierung Drogen zu verticken oder dies aufzudecken. Barry Seal wurde von sieben kolumbianischen Auftragsmördern auf offener Straße erschossen. Kurz vor einem Gerichtstermin, in dem er über seine Drogendeals für die CIA berichten sollte. Kurz bevor er sich entschied „auszupacken“. Einer der größten Drogen- und Waffenhändler der Geschichte, tat dies als Staatsbeamter der CIA im Auftrag der Regierung.

Nur so ganz am Rande: Marshall, also der „Psychopath“ der seine Familie niedermetzelte, war der Pilot von Barry Seal. Er bekannte sich dazu, beichtete in seinen Büchern.

Was mit Gary Webb passierte kann man sich im (sehr zu empfehlenden Film) „Kill The Messenger“ anschauen. Webb war derjenige der die zahlreichen Drogendeals der CIA aufdeckte. Als Dank dafür schrieben ihn die damaligen (und heutigen) Leitmedien Washington Post und die New York Times in Grund und Boden. Er erzählte Geschichten die sich nicht mit den des „Sheriffs“ deckten. Und ja, „Sheriff“ ist im Laufe dieses Artikels vom tatsächlichen obersten Polizeichef eines Ortes zur Metapher für bestimmte Personengruppen aufgestiegen.

Auch in Europa gibts „Sheriffs“

Wir leben in Zeiten in denen politische Morde wieder zum Alltag gehören. Wer glaubt man sei im „safe haven“ Europa frei von all dem Auftragsmordshit, der hat sich gewaltig geschnitten.

Bei einer parallelen Recherche zum Thema Ukraine zählte das Grübelstübchen 16 Tote (siehe dazu den ersten Teil: Auftragsselbstmord in der Ukraine).

Auftragsmorde vom Staat befohlen? Russen, Ukrainer, CIA, Entwicklungsländer…. aber doch nicht Europa! Doch nicht in diesem zivilisierten Europoa!

Der fünfte mögliche Zeuge im NSU-Prozess beging gerade „Selbstmord“. Arthur Christ, Florian Heilig, Thomas Richter, Melisa Marijanovic und jetzt auch Sascha Winter. Was die Bundesregierung dazu zu sagen hat kann man sich auch anschauen:

Eine Möglichkeit unbequeme Tatsachen aus der Welt zu schaffen ist nach wie vor der Auftragsmord. Man merze unliebsame Wissensquellen einfach aus und lasse es  wie Selbstmord aussehen. Man sorge dafür, dass die Behörden es als genau das verbreiten. Menschen die nicht mit solchen einfachen Erklärungen einverstanden sind, stelle man als Spinner da.

Was bleibt ist eine Version des Geschehenen: Die Vision des Sheriffs.

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