Bald im Clinch mit China?

Ist es den westlichen Staaten in den Jahren des chinesischen Aufstiegs nicht gelungen, im Nahen und Mittleren Osten zu einer machtpolitisch günstigen Ausgangsstellung für den großen Machtkampf gegen die Volksrepublik zu gelangen, so schließen die Organisatoren der Münchner Sicherheitskonferenz für die Zukunft selbst einen „bewaffneten Konflikt“ mit dem mächtigsten Rivalen des Westens nicht aus„.

Der letzte Satz des Artikels „Die großen Mächte und ihre Kriege“ (Teil 2) der Zeitschrift german foreign policy zog meine Stirn ganz schön in die Höhe. Nicht, dass eine mögliche Konfrontation zwischen China und dem Westen mich überrascht. Der Grund war eher, dass unsere Eliten dieses Szenario anscheinend nicht mehr als Tabu erachten… und dies offen sagen.

Dass es in Zukunft zu solchen Konfrontationen kommen kann zeichnet sich konkret durch „Sticheleien“ zwischen den Großmächten im Pazifischen Ozean und dem Südchinesischem Meer ab. Während es der chinesischen Regierung „nicht gefällt“, dass die US-amerikanische Luftwaffe ihre Aufklärungsflugzeuge so fern der Heimat fliegen lässt, finden es Entscheidungsträger in der USA „nicht in Ordnung“, dass China sich durch das Aufschütten künstlicher Inseln auf Korallenriffen (Atollen) neues Land schafft und somit mit den Interessen weiterer Anrainerstaaten wie Malaysia, den Philippinen und Vietnam kollidiert. Die US-amerikanische Regierung fand dies wiederum so „blöd“, dass sie demonstrativ den Zerstörer USS Lassen ins Chinesische Meer schickte mit der Begründung, kein Scherz, das „Recht auf Freiheit der Seefahrt“ zu nutzen. Das findet China wiederum „nicht so toll“ und so weiter und so fort..

 

Guided_missile_destroyer_USS_Lassen_(DDG_82).jpg

Die USS Lassen, Quelle: Wikipedia

Auch in „elitären“ Kreisen, also in den Köpfen stinkreicher US-Oligarchen, scheint der Gedanke, dass sich die Interessen der beiden Großmächte auf lange Sicht kreuzen könnten, präsent zu sein. So machte George Soros der US-Regierung deutlich, dass sie China im Wirtschaftsbereich entgegenkommen sollte. Soros: „Sonst besteht die große Gefahr, dass China sich politisch und militärisch mit Russland zusammentut, und dann wird die Gefahr eines dritten Weltkrieges konkret. Also lohnt sich der Versuch“.

Während in den Zeitungen bezüglich der grad zu Ende gegangenen Münchener Sicherheitskonferenz überwiegend darüber geschrieben wird, wie es mit Syrien weiter gehen wird und wie „diabolisch“ Putin sich derzeit verhält, wurde ein anderer interessanter Aspekt weitgehend unerwähnt gelassen. So ist im MunichSecurityReport2016 zu lesen:

Managing differences may become increasingly difficult for what is the most important interstate relationship of the coming decades, between China and the US. Armed conflict between the major “rising power” and the “hegemon” is far from preordained. But heightened rhetoric as well as incidents in the South  China Sea – where China has built artificial islands to buttress its territorial claims and rejects the Permanent Court of Arbitration’s authority to rule in a case the  Philippines brought against China – suggest that the relationship may well deteriorate.“

Der „bewaffnete Konflikt“ zwischen dem „Hegemon und der „größten aufsteigenden Macht“ werde „keinesfalls zwangsläufig“ eintreten. Mit „Hegemon“ ist die USA mit ihren Anhängseln gemeint, zu denen auch wir gehören. Die „größte aufsteigende Macht“ ist China.

Umgekehrt heisst dieser Satz, so liest es die Zeitschrift german foreign policy raus, dass der Konflikt zwar nicht zwangsmäßig eintreffen werde, aber nicht ausgeschlossen wird. Ferner wird davon ausgegangen, dass die Beziehung sich noch weiter verschlechtern wird.

Ganz still kam es bei hochrangigen Politikern, Diplomaten, Militärs und Sicherheitsexperten aus der NATO und der EU anscheinend zu einem Umdenken. Kleine „Sticheleien“ zwischen den Großmächten müssen nicht immer klein bleiben. Man lässt die Dinge ihren Lauf, es kommt wie es kommt. Sei es auch ein militärischer Clinch mit dem „Reich der Mitte“. Ausgeschlossen wird dies von den „Herren der Welt“ nicht. Und meine arme Stirn sehe ich jetzt schon in einem  langen Kampf gegen die Erdanziehungskraft.

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