Wenn Medien Kriegsprofiteuren Rückendeckung geben

Nach dem dritten Anlauf ein gutes Intro für den Artikel zu schreiben, der immer wieder die Begriffe „Lügenpresse“ und „Meinungsmanipulation“ enthielt und zu keinem befriedigenden Ergebnis führte, hier mal eine andere Vorgehensweise. Weiter unten werde ich einen längeren Abschnitt eines Guardian-Artikels (1) der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy aus dem Jahr 2001 zum Krieg der USA und seinen „willigen“ Partnern in Afghanistan, der damals in der Anfangsphase war, zitieren. Darauf folgt die deutsche Übersetzung dieses Abschnitts im SPIEGEL (2), welche wesentlich kürzer ausfällt. Was ist mit den Worten dieser kritischen Autorin auf dem Weg ins Deutsche passiert?

Die Wörter sind verpufft. Es handelt sich nicht um einen klassischen Übersetzungsfehler. Ein Sinnverlust, der auf die Unterschiede der beiden Sprachen zurückzuführen ist, ist auch auszuschliessen. Die Wörter sind einfach verschwunden. Während die Autorin im englischsprachigen Original die Rolle der milliardenschweren US-Investmentfirma Carlye benennt, welche an dem Krieg verdiente (und verdient), sucht man den Firmennamen im deutschen SPIEGEL-Text vergeblich. Die Autorin zählt auf, welche US-Politiker an dem Unternehmen beteiligt sind: Bush (Ex-Präsident),  Baker (Ex-Außenminister), Carlucci (Ex-Verteidigungsminister)… Im Deutschen: Fehlanzeige. Ein ganzer Abschnitt: futsch.

Sollte der Text etwa auf eine den Leser entlastende und für ihn erträgliche Menge an Informationen runtergekürzt werden? Eine Kennzeichnung dessen findet man nicht und würde auch gar keinen Sinn machen. Die Benennung konkreter Personen und Firmen ist wensentlich informativer, als ein allgemeines `Bush und Cheney´ haben „ihr Vermögen der Ölindustrie [zu] verdanken„, was die Übersetzer wohl noch gerade so als übersetzungswert empfanden.

Nach dem Ausschluss möglicher Szenarien bleiben nur noch wenige Erklärungen. Sie reduzieren sich auf kalkuliertes Vertuschen. Kurz: Zensur. Die Profiteure des Krieges zu bennenen war dem Spiegel anscheinend zu heiß, also kürzte er den Artikel in der Übersetzung nach Belieben. Kriegsprofiteure haben offenbar die Rückendeckung der Medien..

Hier die zwei Texte:

(1) „President George Bush recently boasted: „When I take action, I’m not going to fire a $2 million missile at a $10 empty tent and hit a camel in the butt. It’s going to be decisive.“ President Bush should know that there are no targets in Afghanistan that will give his missiles their money’s worth. Perhaps, if only to balance his books, he should develop some cheaper missiles to use on cheaper targets and cheaper lives in the poor countries of the world. But then, that may not make good business sense to the Coalition’s weapons manufacturers. It wouldn’t make any sense at all, for example, to the Carlyle Group—described by the Industry Standard as ‚the world’s largest private equity firm‘, with $12 billion under management. Carlyle invests in the defence sector and makes its money from military conflicts and weapons spending.

Carlyle is run by men with impeccable credentials. Former US defence secretary Frank Carlucci is Carlyle’s chairman and managing director (he was a college roommate of Donald Rumsfeld’s). Carlyle’s other partners include former US secretary of state James A. Baker III, George Soros, Fred Malek (George Bush Sr’s campaign manager). An American paper—the Baltimore Chronicle and Sentinel—says that former President George Bush Sr is reported to be seeking investments for the Carlyle Group from Asian markets. He is reportedly paid not inconsiderable sums of money to make ‚presentations‘ to potential government-clients.

Ho Hum. As the tired saying goes, it’s all in the family.

Then there’s that other branch of traditional family business—oil. Remember, President George Bush (Jr) and Vice-President Dick Cheney both made their fortunes working in the US oil industry.

Turkmenistan, which borders the northwest of Afghanistan, holds the world’s third largest gas reserves and an estimated six billion barrels of oil reserves. Enough, experts say, to meet American energy needs for the next 30 years (or a developing country’s energy requirements for a couple of centuries.) America has always viewed oil as a security consideration, and protected it by any means it deems necessary. Few of us doubt that its military presence in the Gulf has little to do with its concern for human rights and almost entirely to do with its strategic interest in oil.

(2)Präsident George Bush prahlte neulich, es sei ja wohl Unsinn, „mit einer Zwei-Millionen-Dollar-Rakete auf ein leeres Zelt oder einen Kamelhintern zu schießen“. Präsident Bush sollte wissen, dass es in Afghanistan keine Ziele gibt, die den Preis seiner Raketen wert sind. Vielleicht sollte er ein paar billigere Raketen für billigere Ziele und billigere Leute in den armen Ländern der Welt bauen, und wäre es nur für den Etatausgleich. Doch das erschiene am Ende den Waffenherstellern der Koalition als nicht sehr vernünftig, geschäftlich gesehen.

Und vergessen Sie nicht, dass Präsident George Bush junior und Vize-Präsident Dick Cheney beide ihr Vermögen der Ölindustrie verdanken. Allein Turkmenistan, das an den Nordwesten Afghanistans grenzt, verfügt über gewaltige Gasvorkommen und geschätzte drei Milliarden Barrel Ölreserven. Amerika hat Öl immer als Sicherheitsfrage betrachtet und mit allen Mitteln geschützt, die es für nötig erachtete. Wenige von uns bezweifeln, dass seine militärische Präsenz im Golf weniger mit seinen Sorgen um die Menschenrechte als mit seinem strategischen Interesse am Öl zusammenhängt.

(1) http://www.outlookindia.com/article/war-is-peace/213547

(2) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-20462217.html

 

 

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5 Antworten zu Wenn Medien Kriegsprofiteuren Rückendeckung geben

  1. nilzeitung schreibt:

    Hat dies auf Nilzeitung rebloggt.

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  2. alltagsfreak schreibt:

    Nun wer die Wirtschaft regiert bestimmt wesentlich die Politik. Und da sollten solche unliebsamen Fakten bestimmt am Besten verschwiegen werden. Ich finde es prima, dass Du solche Fakten herausarbeitest und publik machst.

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  3. rositha13 schreibt:

    Danke Dir für´s Folgen und – Dein Blog gefällt mir auch.

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  4. der einsiedler schreibt:

    wo aber ist europa? unser europa, vertreten durch die muppets (wie sie obama gerne nennt) ist inhuman und unsolidarisch, innen- und aussenpolitisch völlig überfordert. eine jämmerliche grossmacht, die keinen kollektiven willen zeigt, im mittleren osten politisch tätig zu werden, dort wo zentrale ursachen für die flucht liegen, in krieg und zerstörung, im terror des islamischen staates, in kollabierenden ländern wie dem irak und syrien. wir erleben dort den beginn einer völkerwanderung in einer dichte, die es vorher noch nie gegeben hat. mehr hierzu:
    https://campogeno.wordpress.com/2015/09/02/europas-unpolitik-und-die-fluechtlingskatastrophe/

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    • karolwojci schreibt:

      Europa zeigt nicht nur nicht den Willen politisch tätig zu werden, sondern Teile Europas werden insofern politisch tätig, dass sie imn Osten nur umso mehr Chaos stiften. Deutschland in Afghanistan, Polen im Irak, Frankreich in Lybien… und wenn man dann noch das zählt, was Europas Freunde unkritisiert im Nahen Osten betreiben und die Waffenexporte in aller Welt dazu rechnet, dann kann man Europa als den Kriegstreiber schlecht hin bezeichnen. Die dann entstehenden Flüchtlingswellen werden mit zwiespältigen Kooperationen mit Diktatoren (https://karolwojci.wordpress.com/2016/06/02/wie-europa-mit-brutalen-regimen-kooperiert-um-fluechtlinge-abzuhalten/), Kriegsführung gegen Schlauchboote auf denen sich Flüchtlinge befinden und Ressentiments gegen die Fliehenden beantwortet. Europa wird tatsächlich von Muppets vertreten.
      Gruß,
      Karol

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