Merkel will es!

Ein Gastbeitrag von Dr. Nikolaus Götz

Jetzt Bundeswehr in französischem Schlepptau: „Merkel will es!“ 1200 Paladine für das Morgenland!

Es war der Papst der katholischen Kirche Urban II., der mit dem Ruf „Deus volit!“, „Gott will es!“ (1095 n. Chr.) einen Appell an die politische Klasse im mittelalterlichen Westeuropa richtete, zur Errettung des Morgenlandes. In der Folge dieses Erlasses sammelte sich eine internationale „Koalition der Willigen“, Heerscharen aus Frankreich, England und Deutschland kommend, um im ’Nahen Osten’ einzugreifen. Diese ’adligen’ Haudegen zogen alsbald mit ihrem Tross ostwärts. Lang und entbehrlich war der Weg, beispielsweise des Kriegers Godefroy de Bouillon (~1060-1100), dessen Namen heute all seine Schandtaten vollkommen unterschlagend im öffentlichen Bewusstsein nur noch für eine ’Suppe’ steht.

Aus der Geschichte sollte man sein Handlungsverhalten für die Gegenwart ableiten, so der gutgemeinte, doch vergebliche Ratschlag an die ’Falken’ im Deutschen Bundestag des Jahres 2015. Diese vom Volk gewählten „Repräsentanten“, die eigentlich fraktionszwangsfrei nur ihrem eigenen Gewissen und keiner Rüstungslobby folgen sollten, haben aber die deutsche Volksmeinung zum ’Krieg’, und nicht nur zu dem aktuellen in Syrien, wiederholt ignoriert. Scheinbar vergessen haben diese ’Repräsentanten’ auch die totale Niederlage der mittelalterlichen Invasoren in ’Palästina’, ebenso wie die Not und das Elend der unter dem Krieg vielfach abgeschlachteten Zivilbevölkerung, zumal diese Parlamentarier ja nicht fürchten müssen, selbst „aufs Schlachtfeld“ geschickt zu werden.

Es ist angeblich die ’Solidarität’ und der Zusammenhalt der deutsch-französischen Freundschaft, der ausgerufene „Bündnisfall“, der ’die Deutschen’ „zu den Waffen zwingt“ – wird argumentiert. Nach dem politischen Willen der aktuellen Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland Angela Merkel und ihrer treuen Partei-Vasallen sollen deshalb in einem ‚ersten Zug’ 1200 Soldaten der Bundeswehr und ein halbes Dutzend ’Skyfighter’ entsandt werden. Dass von den Bänken der ’Konservativen’, wie unter dem deutschen Kaiser Wilhelm II., kaum Protest gegen den Kriegseinsatz zu erwarten war, ist und sein wird, ist klar. Doch die mitregierenden Sozialdemokraten haben die ’Arbeiter’ des deutschen Vaterlandes wie 1914 schon wieder verraten! Der „Schwur“ von 1945 ’Nie wieder Krieg!’ ist mit dem Friedensnobelpreisträger und Wegbereiter der Deutschen Wiedervereinigung Willi Brandt (SPD: „Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen.“) längst zu Grabe getragen worden. Bei seinen politischen Enkeln ist Krieg halt kein Verbrechen mehr, sondern wie bei Otto von Bismarck nur wieder: „Politik mit anderen Mitteln“. Diesem gerade vom Bundestag ’abgesegneten’ ersten ’Kreuz-Zug’ werden bestimmt weitere folgen (Zwang der Sachlage: mehr Soldaten; mehr Panzer, mehr Flugzeuge und mehr Geld), bis zum propagandistischen ’Endsieg’.

Wie gestern bei den Kreuzzügen des Mittelalters wird heute erneut im Nahen Osten in einen strategisch, religiös und wirtschaftlich motivierten Krieg interveniert, dessen Zeitrahmen und Entwicklung jedoch nicht zu kalkulieren ist. Schon 1990 brachte die Deutsche Friedensbewegung mit dem Slogan „Kein Blut für Öl“ die verlogene westliche Militär- und Kolonialpolitik beim ’Golfkrieg’ auf den Punkt und warnte vor der politischen Destabilisierung des Orients.

Der erneute Einmarsch der amerikanischen Militärs in den Irak im Jahr 2003 war die entscheidende Zäsur und der Beginn einer politischen Destabilisierung der ’Eastern world’. Zu jenem Zeitpunkt, noch unter Kanzler Gerhard Schröder, angemahnt von der deutschen Friedensbewegung, widersetze sich das Couple franco-allemand dem amerikanischen Kriegswerben. Unvergesslich bleibt so die „Anti-Kriegs-Koalition“ der Staatsvertreter Jacques Chirac (Frankreich) mit Gerhard Schröder (Deutschland) und dem seit dem Mauerfall russischen Neupartner Wladimir Putin (Russland), was die US-Bush-II.-Regierung erstaunte. Wie 1914 das Attentat von Sarajewo lieferte das Attentat in New York auf die Twin-Tower im Jahr 2001 die Kriegsfallbegründung und änderte auch die deutsche Politikposition. Plötzlich sahen sich Deutsche neben Franzosen und mit weiteren Alliierten in Afghanistan Krieg führen, jedoch ohne nach einem Jahrzehnt Kampf vor Ort mit Bodentruppen erfolgreich zu sein.

Nach dem Überraschungsangriff der französischen Luftstreitkräfte auf Libyen, angeordnet nur eine Woche vor den französischen Präsidentenwahlen von 2012 durch Nicolas Sarkozy, verdankte es Deutschland vornehmlich dem damaligen deutschen Außenminister Guido Westerwelle (FDP), nicht offen militärisch vom französischen Partner in dessen ’Kolonialkrieg’ gezogen zu werden. Geschickt oder eher tollpatschig plump versuchte jetzt auch der aktuelle Präsident der französischen Republik François Hollande mit den über TV weltweit ausgestrahlten Worten „Nous sommes en guerre!“ (Wir sind im Krieg.), Profit für seine Partei (PS) bei den laufenden Regionalwahlen gegen den ’Front National’ zu erzielen und die deutsch-französische Karte zu spielen. Der gemeinsame Marsch Arm in Arm des Politikerpaares François Hollande/Angela Merkel nach dem Attentat auf Charlie Hebdo erreichte in den deutsch-französischen Beziehungen den Symbolwert des ’Händedrucks über den Gräbern von Verdun’ durch François Mitterrand und Helmut Kohl und stärkte innenpolitisch beide. Das jeweilige Kriegsgebaren bei beiden französischen Präsidenten führte jedoch nicht zum erhofften Wahlergebnis, sondern stärkte eher den politischen Widerpart, wie es das Ergebnis der französischen Regionalwahlen gerade zeigt.

Leider ist die deutsche Kanzlerin Angela Merkel nicht wie Kanzler Gerhard Schröder und die aktuelle ’Kriegsministerin’ Ursula von der Leyen (CDU) hat nicht das vielfach unterschätzte Profil eines Guido Westerwelle. Beide Frauen und ’Mütter der Truppe’ sind dem Kriegsgeheule des ’Sozialdemokraten’ Hollande längst erlegen und widersprachen ihm nicht wie einst der insistierende Bundesminister Joschka Fischer (B90/Die Grünen) auf der jährlichen ’Kriegskonferenz’ von München: „I am not convinced!, Je ne suis pas convaincue, M. Le Président!

So befindet sich die Bundeswehr der BRD im Jahr 2015 nun zur Abwechslung mal im Schlepptau der verfehlten französischen Militärpolitik. Und die aktuelle deutsche ’Kriegsministerin’ wird wohl bei der zukünftigen Heimholung der alsbald „auf dem Feld der Ehre“ gefallenen Soldaten behaupten, dass deren eingeplanter Tod das Werk „feiger Terroristen“ war. Doch schon der große, sozialkritische französische Schriftsteller Victor Hugo, ob seiner Meinung mehrfach aus seinem Heimatland verbannt, wollte die wahre Todesursache der Soldaten auf ihrem Grabstein einmeißeln lassen: „Mort par la patrie“ (Tod durch das Vaterland). Der Tod von Soldaten im Krieg aber ist sicher, so im Mittelalter wie in der Gegenwart: Welches Schicksal ereilt jedoch die nicht kämpfenden Zivilisten? Lang waren die Flüchtlingstrecks vor der Erstürmung von Konstantinopel. Nicht nur die Deutschen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verließen zwangsgetrieben ihre Heimat, nein, das tun auch die Afghanen und jetzt auch die Syrer. Doch all das ’Wissen über Krieg’ ändert nichts, denn die Bundeskanzlerin Frau Merkel „will solche Kriegspolitik“! Merkel volit!

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