„Saudi-rollender-Kopf-Arabien“

Was wäre eigentlich, wenn der IS unter anderen Umständen an die Macht gekommen wäre? Vielleicht ein wenig diskreter, ohne großem Medienplemplem, als ein junger Staat, der sich seine Wirtschaftsbeziehungen in einflussreichen Ländern gesucht hätte. Also so richtig mit gutem ersten Eindruck und so. Ein sich aus Erdöl finanzierender zuverlässiger Partner des Westens, den man mit an seinem Tisch sitzen lässt, von Merkel die Hand geschüttelt bekommt und in die Kamera lächelt. Undenkbar, würde man meinen. Dafür sind die doch viel zu barbarisch!

Doch warum sitzt Saudi-Arabien eigentlich an so vielen dieser Tische?  Vergleicht man ihren Strafenkatalog mit dem des IS  lässt sich kein nennenswerter Unterschied feststellen. Es sei denn es geht um die Frage, ob die rechte oder die linke Hand entbehrlicher ist.

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(Quelle: Spiegel)

Peitschenhiebe, Steinigung und Kreuzigungen, die Verurteilung Minderjähriger zum Tode, Repressionen und Folter, scheinen unter gesonderten Umständen, wenn es nämlich um wirtschaftliche Beziehungen, vor allem um das schwarze Gold, geht, mit der „westlichen Wertegemeinschaft“ vereinbar zu sein.

Doch wo bleiben die Einwände? Man kann doch unsere Partner nicht mit diesen Monstern, dieser Ausgeburt namens IS, vergleichen! Sie lassen nicht lang auf sich warten- noch ein wenig stotternd doch entschlossen sagt der kritische Kopf: „Aber….aber…, der IS ist doch viel grausamer als Saudi-Arabien. Das ist doch offensichtlich“. Nun, Propagandafilmchen, in denen Köpfe mit Messern regelrecht abgesägt werden gibt es aus Saudi-Arabien keine. Aber macht es sie besser, wenn sie ihre Köpfungen im stillen Kämmerlein durchführen? Macht es sie besser, dass sie ihre Grausamkeit anstatt der gesamten Weltöffentlichkeit vor die Nase zu halten nur ihren eigenen Bürgern präsentieren und sie in Angst und Schrecken halten? Oder ist es die Tatsache, dass sie statt dem Teppichmesser eine gute, alte, klassische Guillotine á la Französische Revolution benutzen, was die Ölscheichs zwischen dem Persischen Golf und dem Roten Meer davor bewahrt als Terroristen zu gelten? Kein Sägen sondern ein „glatter“ Schnitt, eher wie im OP, anstatt dieser hektischen, youtubewirksamen, Sägebewegungen…

Ein wenig Statistik zeigt: In punkto Köpfen übertrumpfen die Saudis die IS´ler in Quantität, ihnen wird nur nicht so eine breite Aufmerksamkeit geschenkt. Die beiden Staaten, soweit man den IS so nennen kann, haben sich die exakt gleiche Ideologie auf die Fahnen geschrieben: den Wahabismus. Das wird gerne mal vergessen.

„Aber…aber…“, so der nächste kritische Einwand durch den aufgeweckten Medienkonsumenten, „der IS führt Krieg und ist verantwortlich für den Tod vieler Unschuldiger. Saudi Arabien hingegen ist in der Anti-IS-Koalition, Seite an Seite mit den für die „westlichen Werte“-kämpfenden Guten. Interessiert daran, dass der Frieden wieder in den Nahen Osten kehrt…“ So friedensstiftend ist Saudi-Arabien, das hat der imagepolierende Kampf gegen den IS erreicht, dass man gern mal vergisst, an was für Kriegen das Land sonst so beteiligt ist. Nur weil kaum eine Sau über den im Jemen gegen den Iran geführten „Stellvertreterkieg“ und die Bombardierungen Saudi-Arabiens im Land berichtet, macht ihn nicht weniger schlimm.

„Aber…“ Nein, kein aber mehr. Während der IS von unseren Medien als barbarisch dargestellt wird, was er unverkennbar ist, wird neutral über Waffenlieferungen der Bundesregierung an Saudi-Arabien berichtet, ja diese zum Teil sogar befürwortet. Es kurbelt schließlich das Maß aller Dinge an: das Wirtschaftswachstum und sorgt hierzulande für Arbeitsplätze.

„Aber…aber…“, der Einwand muß dann doch noch sein: „Ist es nicht denkbar, dass Saudi-Arabien aufgrund der verwandten Ideologie was von den deutschen Schießeisen weiter an den IS leitet, mit ihm Handel treibt oder ihn anderweitig unterstützt“?

Cheese, Frau Merkel.

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Zusatz: Die Beziehung Saudi-Arabien, bzw. die anderen Golfmonarchien, zu Deutschland setzt neben den Waffenexporten auf einen Finanzstrom vom Golf nach Deutschland. Der im Artikel zu findende Hinweis, dass besonders das „schwarze Gold“ bei dem nicht-einhalten von Menschenrechten, den Ausschlag geben, könnte somit durch diesen Hinweis ersetzt werden. Die Abhängigkeit Deutschlands von SAr Öl ist also nicht so stark wie ich zuerst vermutet habe. Siehe dazu: FAZ.

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