Auftrags“selbst“mord in der Ukraine- Teil 1

Am 28. April 2014 wurde auf den Bürgermeister von Charkiw, Gennadi Kernes, ein Attentat verübt. Ein unbekannter Scharfschütze hat ihn beim Joggen angeschossen. Seit dem sitzt der Politiker der Partei der Regionen im Rollstuhl. Die Gerüchteküche sagt: der aktuelle jetzige Innenminister Arsen Awakow könnte hinter dem Attentat stecken.

27. August. Valentina Semenjuk-Samsonenko wurde erschossen in ihrem Haus gefunden. Offizielle Diagnose: Selbstmord. Tatwaffe: eine Schrotflinte. Ein möglicher Fehler den sie beging: in einem TV-Interview offenbarte sie die Geschäfte einiger ukrainischer Oligarchen. Sie zeigte auf, wie diese sich durch Betrug ihre privaten Geldbörsen aus der Staatskasse füllten. Sie war das erste Mordopfer einer aller Wahrscheinlichkeit nach zusammenhängenden Mordserie.

Am 29. November wurden der ehemalige Chefjournalist der Donezker Zeitung „Kriminal-Express“ Aleksandr Wladimirowitsch Kutschinski und seine Frau in seinem Landhaus erstochen. In zahlreichen Publikationen äußerte er sich kritisch zur ukrainischen Gesellschaft. Beispielhafte Titel seiner Bücher: Anthologie des Auftragsmordes“ und „Donezker Gaunereien“.

Am 26. Januar 2015 hat Nikolai Sergjenko sich (angeblich) selbst erschossen. Der ehemalige Leiter der Donezker Eisenbahn und Vorsitzende des Regionalrates in Kharkow war als Unterstützer Janukowitschs bekannt.

Am 29. Januar wurde Alexej Kolesnik erhängt in seinem Haus gefunden. Der ehemalige Regierungschef der Regionalverwaltung des Verwaltungsbezirks Charkiw war Mitglied der Partei der Regionen. Es handelt sich um die Partei, der auch der ehemalige Präsident Viktor Janukowitsch angehörte.

Fast einen Monat später, am 25. Februar, wurde der ehemalige Bürgermeister von Melitopol Sergej Valter erhängt aufgefunden. Der anfängliche Verdacht auf Selbstmord wurde in einer gerichtlichen Untersuchung doch durch Mord revidiert. Sergej Valter war Mitglied der Partei der Regionen.

Das nächste Opfer erwischte es am Tag darauf: am 26. Februar wurde der ehemalige Polizeichef Alexander Bordjuk tot durch eine Kugel aufgefunden. Er war Mitglied der, wen wunderts, Partei der Regionen.

In der Nacht vom 28.  Februar auf den 01. März stürzte Nikolai Tschtschtows aus dem Fenster. Die Funktion die er zu Lebzeiten inne hatte: Fraktionschef der Partei der Regionen.

(Einen Tag davor wurde der russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow im Moskauer Zentrum erschossen.)

Am 9. März wurde Stanislaw Melnik von seinen Familienangehörigen tot in der Badewanne entdeckt. Die erste Untersuchung ergab: „Freitod“ mit einem Jagdgewehr. Parteizugehörigkeit? Na was wohl: Partei der Regionen.

Am 12. März wurde der Chef der Regionalregierung des Verwaltungsbezirkes Saporischschja Alexander Pekluschtschenko, ein Politiker der Partei der Regionen und ehemaliger Chef der Verwaltung von Zaporizhia, tot, mit Schussverletzungen am Hals, aufgefunden. Erste Diagnosen: Selbstmord. laut der Website der „Verkhovna Rada“ wurde die Waffe bei Abschuss ans Genick angelegt. Sprich: Selbstmord durch Genickschuss. Ein äußerst merkwürdiger Tathergang.

Serhij Melnitschuk, ein odessitischer Staatsanwalt und (selbstverständlich) Mitglied der Partei der Regionen, fiel am 14. März aus dem neunten Stock eines Wohnhauses.

15. März. Die Journalistin Olga Moroz,  Chefredakteurin der Zeitung „Netischenksi Westnik“, wurde tot in ihrer Wohnung gefunden. Todesdiagnose: Schädelbruch am Hinterkopf. Hirnödem. Aufgefunden wurde sie nackt auf ihrem Schlafzimmersofa. Ihr Mobiltelefon und Laptop wurden mitgenommen.

Am 21. bzw. 22. März starb Viktor Janukowitschs Junior, Sohn von Viktor Senior, dem ehemaligen Präsidenten des Landes, unter nach wie vor ungeklärten Umständen. Bei einer Autofahrt auf dem Baikalsee in Sibirien soll der Hobbyrennfahrer nach einem Autounfall ertrunken sein. Seine fünf Begleiter konnten sich bzw. wurden aus dem Eiswasser gerettet. Viktor Janukowitsch war acht Jahre lang Parlamentsabgeordneter für die Partei der Regionen.

Sergej Anatolwitsch Suchobok.  Ermordet in der Nacht vom 12. auf den 13. April in Kiew. Zeitlebens tätig als Journalist war er der Gründer der Internet-Zeitung „Obkom“ und „ProUA“. Alles was aus den Medienberichten über Angabe der Ermittler zu erschließen ist: die Mordmotivation war wahrscheinlich beruflich bedingt.

Am 15. April wurde ein weiterer Politiker ermordet. Oleg Kalaschnikow wurde mit Schusswunden tot in der Nähe seines Appartements in Kiew gefunden.  Kalaschnikow war ukrainischer Parlamentstagsabgeordneter und Mitglied der, rate mal, Partei der Regionen. Parallel zu den Euro-Maidan-Protesten in den Jahren 2013/14 trat er bei einer Gegenveranstaltung auf und äußerste sich kritisch gegenüber den Protesten.

Die größte Medienaufmerksamkeit in der Mordserie bekam der Mord an Oles Buzina, „Russlandfreund“ und Maidan-Kritiker, Journalist der ukrainischen Tageszeitung Sewodnja. Er wurde am 16. April mitten am Tag vor seiner Haustür erschossen. Zuvor sagte er in einem Interview im russischen Fernseher, dass er mehrere Morddrohungen erhielt. Kurz vor seinem Tod kündigte er seinen Job als Chefredakteur mit der Begründung: „Zensur durch die neuen prowestlichen Machthaber sowie ein Auftrittsverbot im Fernsehen“. Oles Buzina und Oleg Kalaschnikow sollten beide bei einer Untersuchung der Anti-Maidan-Proteste zugunsten der zuvor hinweggeputschten Regierung auftreten.


Der nächste Teil von „Auftrags“selbst“mord in der Ukraine“ erscheint in den nächsten Tagen. Die Quellen werden am Ende des dritten Teils gebündelt angegeben.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Grübelstübchen-Texte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Auftrags“selbst“mord in der Ukraine- Teil 1

  1. Pingback: Der “Sheriff” | Grübelstübchen

  2. Pingback: Auftrags“selbst“mord in der Ukraine- Teil 2 | Grübelstübchen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s