Deutschland will bei den Großen mittöten- jetzt auch per Joystick vor dem Monitor

Letztens habe ich fast beiläufig von dem Entschluss der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, eine europäische Kampfdrohne zu entwickeln, erfahren. Die Kontroverse ist zwar alt, schon ihr Vorgänger Thomas de Maizière hat diese mögliche Anschaffung debattieren lassen. Doch wie ist dieser Entschluss zu werten? Können wir uns darauf einstellen, dass alle perversen Tötungsmaschinen, die in Übersee entwickelt und eingesetzt werden, früher oder später auch von uns Europäern nachgeäfft werden?

Wenn ja, dann werden wir schon übermorgen, mit effizienten „Upgrades“ dieser unbemannten Luftfahrzeuge, wie die durch das amerikanische Militär gerade neu präsentierte „Superwaffe“ LOCUSTunsere Förderrechte verteidigen? Dieses Drohnensystem, das auf einer „Schwarmtechnologie“ basiert, bringt gleich mehrere Kampfdrohnen in die Luft, die autonom (!) aufeinenader abgestimmt, ihre Gegner/Opfer von mehreren Seiten „präzise“ angreifen.

Deutschland hat seinen Entschluss gefasst. Wir werden uns an diesem schändlichen und „unpersönlichen“ Abschlachten aus tausenden von Kilometern Entfernung beteiligen. Ein aus Einsen und Nullen bestehender virtueller Input, der auf der anderen Seite der Erde einen Output in Form eines Bombenteppiches erzeugt, der in sekundenschnelle Menschenleben ausknipst, wird schon bald zum Alltag unserer tapferen Soldaten gehören, die unter anderem im Nahen und Mittleren Osten unsere „Freiheit verteidigen“.

Zugegeben: Die Gefahr für deutsche Bundeswehrsoldaten im Krieg getötet oder verstümmelt zu werden nimmt mit einem Kampfsystemen dieser Art ab. Doch nimmt damit die Bereitschaft, sich überhaupt an Kriegen zu beteiligen nicht zu? Ist es nicht einfacher die Bevölkerung hierzulande davon zu überzeugen, dass es notwendig ist „militärisch zu intervenieren“ und Menschen zu töten, wenn die Zahl der Mütter, die ihre Söhne in Särgen am Flughafen empfangen, geringer wird?

Würde ein Soldat, der „konservativ“ mit einer G36 bewaffnet ist, grundlos eine Hochzeitsgesellschaft im Jemen abschlachten? (siehe auch: „Je suis al-Beidha„) Eine Drohne ist sich dafür jedenfalls nicht zu schade, das zeigen unzählige Zeitungsberichte und Statistiken über sogenannte „Kollateralschäden“. Schaut sich unsere Verteidigungsministerin, die ich in dem Kontext leicht abwertend „Drohnenuschi“ nenne, auch mal die Auswirkungen an, die Drohnen im Mittleren Osten so veranstalten? 3000 Tote allein in Pakistan seit 2004… Vielleicht sollte sich besagte Dame mal mit Menschen aus beispielsweise Jemen in Kontakt setzen, deren Verwandten als letzte akustische Wahrnehmung ein leises Summen über den Wolken vernahmen, bevor sie ohne irgendeine Verbindung zu terroristischen Netzwerken zu haben, ohne Anklage und Prozess niedergemetzelt wurden, um als „Bodycounts“ Bestandteil von Todesstatistiken zu werden. Mit diesen Menschen könnte sie die Pros und Kontras über die Einführung von Drohnen erneut erörtern und ihre Entscheidung überdenken. Vielleicht würde ihr ein Gespräch mit einem Enkelkind von Mamana Bibi, einer 68-Jahre alten Frau, die beim Gemüsepflücken im Garten von einer Rakete, die  von einer Drohne abgefeuert wurde, ihr Leben verlor, auf den Magen schlagen und zur Einsicht verleiten…

Aber dazu wird es voraussichtlich nicht kommen. Stattdessen wird Deutschland jetzt militärisch bei den Großen mitspielen und sich in die legal begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im südlichen Teil der Erde einreihen.


Nachtrag: „…werden sich in die legal begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit einreihen“ ist ein bisschen voreilig gesagt. Laut SpiegelOnline sind sämtliche amerikanische Drohnen auf die Signalweiterleitung über die Militärbasis Ramstein in der Pfalz angewiesen, womit Deutschland für die unzähligen Drohnentoten mit verantwortlich ist. Die Friedensbewegung macht schon seit längerem auf diesen Umstand aufmerksam und wird zum Dank höchstgradig von der Presse, sogar von der linken, diffamiert und beispielsweise als „Wirrköpfe“ bezeichnet.

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