Regime change?

Im Internet kursiert die Theorie, dass die Vereinigten Staaten von Amerika den Regierungsumsturz in der Ukraine initiiert, organisiert und durchgeführt haben. Diese Sachlage ist schwer zu beurteilen, weil der Ukrainekonflikt hier einen starken emotionalen Charakter aufweist, der  durch Anschuldigungen, Beleidigungen, Überspitzungen bis hin zum Aufstellen von so genannten „Verschwörungstheorien“ begleitet wird. Aus den Unmengen an Informationen zum möglicherweise durch die USA durchgeführten „Regime Change“ in der Ukraine, sprich die gewaltsame Absetzung des ehemaligen Präsidenten Janukowitsch mit anschließender Einberufung des westlich gesinnten Bankiers Jazenjuk zum Ministerpräsidenten der Übergangsregierung durch außenstehende Aktuere, sollen hier einige Aussagen von amerikanischen Regierungsbeamten und Politikern sowie Nachrichtenausschnitte dargelegt werden, die die These einer verdeckten US-Intervention in der Ukraine stützen und ihr übergeordnetes Ziel, namentlich die Schwächung und Einkreisung Russlands, thematisieren. Es handelt sich zwar nicht um Beweise, sondern lediglich um Hinweise, die in jedem Betrachter eine andere Interpretation hervorrufen können.

Der durch die CIA durchgeführte Regierungswechsel 1953 im Iran wurde jedenfalls erst über 50 Jahre später aufgedeckt. In dieser Zeit handelte es sich nur um Spekulationen  bzw. um eine „Verschwörungstheorie“.

http://de.wikipedia.org/wiki/Victoria_Nuland

“Since the declaration of Ukrainian independence in 1991, the United States supported the Ukrainians in the development of democratic institutions and skills in promoting civil society and a good form of government – all that is necessary to achieve the objectives of Ukraine’s European. We have invested more than 5 billion dollars to help Ukraine to achieve these and other goals. ”

Diese Worte der Assistant Secretary of State Victoria Nulandalso die für Europa zuständige US-Diplomatin, belegen ein frühes Interesse der USA an der inneren Entwicklung der Ukraine nach dem Zusammenbruch der UdSSR. Das Ziel, die Ukraine in der Entwicklung ihrer Demokratie zu unterstützen kann natürlich rein altruistisch sein, oder aber es steht ein übergeordnetes politisches und wirtschaftliches Interesse dahinter. Eine derart hohe finanzielle Unterstützung wirft jedenfalls ein anderes Licht auf die „Orangene Revolution“ im Jahr 2004 und die „Maidanproteste“ 2013/14, wenn man bedenkt dass westliche Politiker und Medien hier von Demokratisierungsversuchen des Landes gesprochen haben. Dies impliziert den zuvor diktatorisch geprägten Zustand des Landes zu ändern und ist somit den Zielen dieser US-Investition entsprechend.

http://de.wikipedia.org/wiki/Barack_Obama

„…because he [President Putin] was caught off balance by the protests in the Maidan and Yanukovych then fleeing after we’d brokered a deal to transition power in Ukraine“.

In diesem Interview gesteht Obama, dass Putin „aus dem Gleichgewicht“ gebracht wurde (woraufhin er die Krim annektierte), nachdem sich auf dem Maidan Proteste gebildet haben. Daraufhin war Janukowitsch gezwungen aus Kiew zu fliehen. Das Interessante ist, dass laut Obama all das passierte, nachdem „wir“, also die Vereinigten Staaten von Amerika, „einen Deal zur Machtübergabe eingefädelt haben“. In dem Kontext lohnt es sich an die frühen Beziehungen, die zwischen der damaligen Ukrainischen Opposition und Washington geknüpft (oder gepflegt) wurden zu erinnern. Hochrangige amerikanische Politiker, beispielsweise Joe Biden, reisten schon in einem frühen Stadium der Maidanproteste nach Kiew und sprachen mit der Opposition. Dabei wurde auch der bekanntlich rechtsextreme Politiker Oleh Tjahnybok als gleichwertiger Partner angesehen, der 2004 noch dazu aufrief „Judenschweine zu bekämpfen“. Der bewaffnete „Rechte Sektor“ nahm bei der späteren Vertreibung von Janukowitsch eine zentrale Position ein, obwohl wenige Tage zuvor Neuwahlen mit Ex-Präsident Janukowitsch ausgehandelt wurden.

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links: Oleh Tjahnybok, rechts: Joe Biden

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„Asow-Batallion“- Rechtsextreme Kämpfer in der Ukraine

Als der Umsturz vollbracht war, bekam die Übergangsregierung, welche drei Ministerposten an nicht vom Volk gestützte Rechtsextreme vergab, politische Beratung durch die CIA und FBI. Selbst CIA-Chef John Brennan reiste unter falschen Namen nach Kiew. Dies zog Anschuldigungen der politischen Fremdsteuerung nach sich besonders weil der ukrainische Innenminister Arsen Awakow, auch ein rechtsextremer Politiker der Swoboda-Partei, kurz darauf die Separatisten in Slawjansk und anderen Städten im Osten des Landes zu „Terroristen“ erklärte. Laut BILD-Informationen waren bzw. sind 500 Academi- Söldner, eine private „Sicherheitsfirma“ deren bewaffnete Kämpfer auch schon im Afghanistan zum Einsatz kamen, zur Bekämpfung dieser Terroristen in der Ukraine unterwegs.

Während das Victoria Nuland-Zitat: „Fuck the EU“ in der gesamten Bandbreite der skandalorientierten westlichen Medien für Empörung sorgte, verhallte die eigentlich wichtige Information dieses geleakten Gespräches in diesen nahezu unbemerkt.

„I think Yats is the guy who’s got the economic experience, the governing experience. He’s the… what he needs is Klitsch and Tyahnybok on the outside. He needs to be talking to them four times a week, you know. I just think Klitsch going in… he’s going to be at that level working for Yatseniuk, it’s just not going to work.“ 

Victoria Nuland diskutiert hier offen mit Geoffrey Pyatt, dem US-Botschafter in der Ukraine, darüber, wer die Übergangsregierung führen soll. Der Vorschlag des Botschafters, Klitschko diese Aufgabe zu geben, lehnt Frau Nuland ab und schlägt „Yats“, der verniedlichte Spitzname Nulands für Jazenjuk, vor. Kurz darauf kommt „our guy“ die Regierungsgewalt in der Ukraine zu.

http://de.wikipedia.org/wiki/Joe_Biden

Als nächster „Meilenstein“ der US-Geschäfte in der Ukraine waren die EU-Sanktionen gegenüber Russland. Was in den Medien als rein europäische Maßnahme, den „Agressor Putin“ zu bändigen und an den Verhandlungstisch zu bringen dargestellt wurde (die manipulativen Machenschaften und die Instrumentalisierung des MH17-Absturzes zur Rechtfertigung der Sanktionen habe ich hier behandelt), stellt sich in dieser prahlerischen Rede als von der USA aufgedrängt heraus.

„That has allowed us to rally the world’s major developed countries to impose real cost on Russia. It is true, they did not want to do that, but again it was America’s leadership and the President of the United States insisting, often times almost having to embarrass Europe to stand up, and take economic hits to impose cost.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Hunter_Biden

Im Mai 2014 gab der größte Gasproduzent der Ukraine Burisma Holdings bekannt, den Sohn vom Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten Hunter Biden in den Vorstand aufzunehmen. Dies lässt die Vermutung aufkommen, dass es sich bei dem Ukrainekonflikt um einen privatinteressengeleiteten „Ressourcenkrieg“ handelt. Im Video wird die Regierungssprecherin des Außenministeriums der Vereinigten Staaten mit dieser Sachlage als „Vetternwirtschaft“ konfrontiert. Die stets lächelnde Dame erwidert, Hunter Biden sei in der Ukraine lediglich als „Privatmann“ unterwegs. Papa Biden trat jedenfalls schon früh als klarer Putingegner auf und befeuerte den Ukrainekonflikt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Natalija_Jaresko

Eine klare Auffälligkeit ukrainischer Politik nach dem Regierungswechsel ist die Einberufung von prowestlich orientierten Politikern. Dass ausgerechnet das Finanzministerium einer US-amerikanischen Beamtin, Natalija Jaresko,  der im Eilverfahren die ukrainische Staatsbürgerschaft besorgt wurde, zufällt, ist ein weiterer Hinweis zur Amerikanisierung der Ukraine. Das kurz vor der Staatspleite stehende Land würde ohne den Milliardenkrediten der IWF nicht nur bankrott gehen, ohne diesen würden die militärischen Ausgaben sinken und somit der „Antiterrorkampf“ gegen die östliche Bevölkerung eingestellt werden. Ein Schelm, wer mit der Einstellung Natalija Jareskos den Wunsch der USA zur Kontrolle des Fortbestandes der militärischen Auseinandersetzung assoziiert. Die logische Konsequenz dieser Entwicklung ist, dass als nächstes Waffen an die Ukrainische Regierung geschickt werden, um den militärischen Sieg zu beschleunigen. Drohnen und Fahrzeuge, die bisher schon geliefert wurden, sind anscheinend nicht „lethal“ genug.

Die nachfolgenden zwei Videos geben die Einschätzung von Paul Craig Roberts und George Friedmann zum Ukrainekonflikt wieder:

http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Craig_Roberts

http://de.wikipedia.org/wiki/George_Friedman

Paul Roberts war stellvertretender Finanzminister unter Ronald Reagan und ist als scharfer Kritiker der US-Regierung bekannt. Er vertritt in dem Video die Meinung, dass die CIA die Ukrainekrise mit dem Ziel Russland zu schwächen geschaffen hat. Langfristige Strategie der USA sei es, Militärbasen an der Grenze zu Russland zu errichten. Zum Thema Neonazis in der Regierung sagen seine Quellen, dass die Übergangsregierung  einen bewaffneten Arm brauchte, um den „Coup“ zu vollziehen.

„The new cold war began 23 years ago with the collapse of the Soviet Union. And president Reagans advisors violated every agreement that president Reagan had made with Gorbatschow. They took the NATO into Eastern Europe to Russias boarders. They broke every arms limitation agreement that Washington had with Moscow. They financed and sponsored colour revolutions in former parts of Russia and the Soviet Union, including Georgia….and now they are putting Ukraine, making Ukraine an American puppet state which means bore American missile bases on Russians boarder.“

George Friedman ist kein Kritiker der Vereinigten Staaten, ganz im Gegenteil. Er ist Direktor und Gründer des US-Think Tanks STRATFORStrategic Forecasting Inc., fungiert also als Berater von amerikanischer Politik und Militärs. Bezüglich Russland trifft er ganz klare Worte: Ziel US-amerikanischer Außenpolitik war es schon im letzten Jahrhundert, eine gute „deutsch-russische Beziehung zu verhindern.“ Das Bündnis Russland-Deutschland war der einzige bedrohliche Gegner der USA- in der Gegenwart ist damit der wirtschaftliche Gigant Eurasien gemeint, sprich Russland und die EU. Was damals noch bitter notwendig war, da gegen die Achse Hitler-Stalin gerichtet, sorgt heute nur für ein Neuaufkeimen des Kalten Krieges und erhöht die Gefahr für einen heißen Krieg mit der Atommacht Russland.

Fassen wir zusammen: Die Vereinigten Staaten investierten seit dem Zusammenbruch der UdSSR 5 Milliarden Dollar in die Ukraine zur „Schaffung demokratischer Strukturen“. US-Präsident Obama gesteht, dass die Vereinigten Staaten in der Ukraine “einen Deal zur Machtübergabe eingefädelt haben”. Die CIA und das FBI sind in der Ukraine beratend tätig und US-Amerikanische Söldner kämpfen auf Seite der ukrainischen Armee. Es existiert Tonmaterial in dem US-Diplomaten noch vor dem Regierungswechsel mit Worten wie „our guy“ über die Zusammensetzung der zukünftigen ukrainischen Administration diskutieren. Der Vizepräsident Joe Biden prahlt damit die Europäer zu Sanktionen gegenüber Russland gedrängt zu haben. Der Sohn des Vizepräsidenten kommt in den Vorstand des größten Ukrainischen Gasproduzenten. Eine US-amerikanische Beamtin wird im Eilverfahren eingebürgert und übernimmt die Funktion als ukrainische Finanzministerin. Es wird militärisches Equipment an die Ukraine geschickt, tödliche Waffen werden in Erwägung gezogen und sind auf dem besten Weg dorthin. Ein namenhafter Kritiker der Vereinigten Staaten und der Direktor des Think Tanks STRAFTOR betrachten als Ziel der US-amerikanischen Außenpolitik Russland und insbesondere die Beziehung Russland-Deutschland, bzw. Russland-EU zu schwächen.

Handelt es sich um Beweise für eine verdeckte Intervention Washingtons in der Urkaine? Nein. Schaut man sich die ewige Liste von Staaten an in denen die USA in verdeckten Operationen Regierungen gestürzt und durch US-amerikanische Diktatoren-Marionetten ersetzt haben (Iran, Chile…), stellt sich mir die Frage, ob die Aufdeckung im Fall Ukraine überhaupt noch eine Überraschung wäre…Schaut man in die Zeitungen, ist die Antwort jedoch ganz klar ja. Denn der Fokus des öffentlichen Interesses liegt auf dem „Aggressor Putin“ und was er als nächstes tun wird. Eine Betrachtung der geostrategischen Gesamtheit wird aktiv vermieden, da es nicht in die vorgefertigte Meinung westlicher Politik und Medien passt.


“Wenn man weiß wer der Böse ist hat der Tag Struktur”, Volker Pispers.

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