EUlysium

Im Jahre 2154 ist die Welt in zwei Klassen geteilt: Die reichen Bürger leben auf der Raumstation Elysium, während die armen Menschen ihr Dasein auf der Erde fristen, welche als Produktionsstätte für die Reichen dient. Auf Elysium gibt es eine unbegrenzte medizinische Versorgung, was dazu führt, dass die armen Menschen immer wieder versuchen dorthin zu gelangen. Was uns ScienceFiction-Autoren, hier am Beispiel des Hollywood-Streifens Elysium, als mögliche Zukunftsvision präsentieren, mag den einen oder anderen schockieren. Da SciFi sich leider allzuoft bewahrheitet, lohnt es sich von Zeit zu Zeit die eigene reale Gesellschaftssituation zu skizzieren, um nicht aus Versehen in solch eine Zweiklassengesellschaft zu geraten.

Die EU ist durch Grenzzäune von den umgebenen Kontinenten abgeschottet. Die in den letzten Jahren aufgestellte Mauer macht einen beinahe militärischen Eindruck: ein sechs Meter hoher Metallzaun, eine „bewegliche Anti-Sprung-Vorrichtung“ mit integrierter reizgassprühenden „Vandalismussicherung“ und ein weiterer, alarmgesicherter und mit NATO-Stachel-Draht umgebener Zaun. Wenn es jemandem doch gelingen sollte, diese Hochsicherheitsmauer zu erklimmen ergibt sich folgendes Bild.

A golfer hits a tee shot as African migrants sit atop a border fence during an attempt to cross into Spanish territories between Morocco and Spain's north African enclave of Melilla

Solche hermetische „Absicherungen“ gegen Flüchtlinge findet man unter Anderem im spanischen Hoheitsgebiet in Marokko, z.B. in Melilla, Griechenland und Bulgarien. Es handelt sich bei den auf dem Zaun sitzenden Personen nicht unbedingt um politisch verfolgte Flüchtlinge. Die Maßnahmen gegen Einwanderung betreffen aber auch die Menschen, welche durch Bürgerkriege ihre Existenzgrundlage verloren haben und denen keine andere Wahl als die Flucht bleibt. Ein Umstand, der ohne deutsche Waffenexporte in nahezu jeden Teil der Welt sicherlich in gelindertem Ausmaß vorliegen würde.

Als im Oktober 2013 um die 550 Flüchtlinge vor der Küste von Lampedusa ertranken, startete die italienische Marine die Operation Mare Nostrum, um weitere Tote zu vermeiden. Seitdem wurden um die 160 000 lebensbedrohte Menschen auf hoher See in Sicherheit gebracht. Dem Bundesinnenminister Thomas de Maizière fiel nichts anderes ein, als die Organisation als „Brücke nach Europa“ zu kritisieren. Als Italien im Jahr 2014 finanzielle Unterstützung für die Rettungsaktionen forderte, weigerte sich die EU diese zu genehmigen, woraufhin das Projekt zur Rettung von Schiffbrüchigen eingestellt wurde. Der Aufgabenbereich fiel nun der europäischen Grenzagentur FRONTEX zu, unter dem Namen Operation Triton.

Die FRONTEX, die Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen mit Sitz in Warschau, hat allerdings keineswegs die Aufgabe Flüchtlinge zu retten. Ihre Hauptaufgabe ist es die Grenzen zu sichern, sprich illegale Einwanderer fern zu halten. Die aktive Suche nach Flüchtlingen in Seenot wurde somit vorerst eingestellt. Der FRONTEX stehen übrigens nur ein Drittel der Finanzmittel der Mare Nostrum zur Verfügung, obwohl es sich bei dieser um eine Organisation der europäischen Schengenstaaten handelt. Ob dieser Umstand dazu führt, dass wieder massenweise Leichen von Flüchtlingen an die Badestrände Europas gespült werden?

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Es wird aus Mangel an Geldern also damit aufgehört in Seenot geratene Menschen zu retten und stattdessen einer bewaffneten Organisation, der von der NGO ProAsyl vorgeworfen wurde, „Pushback“-Aktionen im Mittelmeer durchzuführen und für den Tod von ca. 8100 Menschen verantwortlich zu sein, das Ruder in die Hand gegeben. Augenzeugenberichte von Flüchtlingen rücken FRONTEX in kein besseres Licht: „Wir hatten nur noch drei Tage zu fahren, da hat uns ein Polizeischiff aufgehalten. Sie wollten uns kein Wasser geben. Sie haben gedroht, unser Boot zu zerstören, wenn wir nicht sofort umkehren. Wir waren fast verdurstet und hatten auch Leichen an Bord. Trotzdem mussten wir zurück nach Senegal.“ (Report Mainz) Sicherlich eine interessante Schilderung für alle, die sich schon mal gefragt haben, wo seine bzw. ihre Steuergelder landen.

Im Film Elysium ist Matt Damon, ein Bürger der Unterschicht, bereit alles zu tun, um die gleichnamige Raumstation zu erreichen, weil es dort die benötigte medizinische Versorgung für seine lebensbedrohliche Krankheit gibt. Um diese Art von „Unterhaltung“ „zu genießen“ braucht man anscheinend nicht mehr auf Bluerays seiner SciFi-Sammlung zurückzugreifen. Ein Blick in die südlichen Regionen Europas reicht vollkommen aus. Dort nehmen Menschen in Kauf die Sahara zu überqueren und dabei zu dehydrieren oder mitten im Mittelmeer zu kentern und zu ertrinken.

Wir sind dabei uns eine Welt zu schaffen, in der die Diskrepanz zwischen Arm und Reich ins Unermessliche steigt. Einer Studie zufolge wird 2016 ein Prozent der Weltbevölkerung mehr als der Rest der Welt besitzen. So entstehen Bilder die zeigen, wie Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern als ersten Eindruck von Europa Golf spielende Menschen antreffen, die von einem sieben Meter hohen Zaun umgeben sind. Unsere derzeitige Gesellschaft, mit ihrer wachsenden Spanne zwischen Arm und Reich, führt zwangsweise zu sozialen Spannungen, bei denen Maßnahmen getroffen werden, sich den notleidenden Bevölkerungsanteil fernzuhalten, obwohl die dortige Krisensituation der reichen Bevölkerung geschuldet ist (*).

Ganz vom Leib halten kann man sich diese Menschen allerdings nicht. Ihre Leichen werden weiterhin über das Meer an den Strand gespült kommen. Willkommen im EUlysium.


(*) Stichwort: Strukturanpassungsprogramme

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2 Antworten zu EUlysium

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