„Pleitegriechen“- die Herrschaft des Demos auf dem Prüfstand

Lange habe ich überlegt, ob ich über Griechenland schreiben soll, da Finanzthemen immer so trocken sind. Der Wahlsieg der Linkspartei Syriza gepaart mit den dreisten Kampagnen gegen das griechische Volk, die sich in den letzten Jahren durch unsere Medienlandschaft zogen, gaben dann doch den Ausschlag. In nächster Zeit sollte sich eine interessante Frage beantworten: Wie viel Macht zur Veränderung steht dem Volk, dem Demos, in der nach ihr benannten Demokratie zu?

Einer von vielen Slogans, der den nichtswissenden Deutschen über die Situation in Griechenland aufklären sollte, war: „Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleitegriechen… und die Akropolis gleich mit“. Von welcher Zeitung dieser Satz kommt sollte jeder erraten können. Es wurde ein Bild produziert, in dem sich die griechische Bevölkerung durch ihren luxeriösen Lebensstil selbst ins finanzielle Knie geschossen hat. Der „faule Grieche“ soll es gewesen sein, nicht etwa der korrupte Politiker. Mal abgesehen davon, dass sich kaum jemand vor seinen Politker des Vertrauens stellen und sagen würde: „Nein, ich will nicht so viel Rente bekommen“.

Weiterhin wurde uns weiß gemacht, dass es nun an uns Deutschen liegen sollte, für die „faulen Südstaatler“ zu bezahlen. Dass die finanziellen Hilfsspritzen keineswegs den „Pleitegriechen“ zugute kamen, sondern Bänkern, überwiegend in Frankfurt, wie Harald Schuhmann aufdeckte, sollte natürlich nicht allzu stark an die Glocke gehangen werden. Deutsche Banken halten griechische Staatsanleihen und würden schön ins Wanken kommen, wenn der Staat, allen voran „Mutti“ Merkel, hier nicht rettend zur Hilfe eilen würde. Auch wenn diese Banken sich sicherlich durch Umschuldung selbst retten könnten. Der Deutsche konnte sich stattdessen fälschlicherweise darüber aufregen, dass seine Steuergelder die Bequemlichkeiten der Griechen finanzieren.

Als nächstes folgte dann die sogenannte „Austeritätspolitik“, Sparmaßnahmen für Griechenland, denen die regierende Pasok-Partei gewillt war nachzukommen. Nicht, dass bei einer schlechten finanziellen Situation Investitionen den entscheidenden Aufschwung geben, man erinnere sich an die „Abwrackprämie“, mit der Deutschland nahezu unbeschadet durch die Finanzkrise ging. Man war sich stattdessen einig, dass Sparen „alternativlos“ sei. Daraus wurde die Alternativlosigkeit der Krankenhausschließungen und führte dazu, dass in einem europäischen Land grundlegende medizinische Versorgung nicht mehr als Selbstverständlichkeit galt. Als weiteres Randphänomen des Sparkurses kann man sicherlich auch die Massenarbeitslosigkeit betrachten, die unter den jungen Griechen auf 50 Prozent  gesteigen ist. Trotz Sparen beläuft sich der Rüstungsetat Griechenlands auf über 2 Prozent, was sonst in keinem europäischen NATO-Staat, mit Ausnahme der Türkei, der Fall ist.

Als Reaktion darauf wandten sich die verzweifelten Massen den rechten und linken Parteien zu. Die Politiker und Medien unseres Landes versuchten in den letzten Wochen noch, mit Angstschweiß auf der Stirn, die Wahlentscheidung der Griechen zu beeinflussen. Doch die Syriza ging ganz klar als Wahlsieger hervor und koalierte mit den rechtsgesinnten Unabhängigen Griechen. Die Hauptforderung dieser jungen Koalition ist der Schuldenschnitt für Griechenland, was in europäischen Politikerkreisen für unannehmbar gilt.

Wenn man jemandem Geld leiht, besteht nun einaml das Risiko, dass der Gläubiger Geld verliert. Wenn ein Land zahlungsunfähig wird, ist es dann wirklich der richtige Weg, ihm den Schuldenerlass zu verwehren und damit weiter die simpelsten Dinge wie Klopapier in Krankenhäusern vorzuenthalten? Oder, um ein krasseres Beispiel zu nennen, sollten griechische Mütter weiterhin ihre Kinder aus Geldnot in Heimen abgeben müssen? Griechenland, das Land in dem die Herrschaft des Volkes, des Demos, erfunden wurde, soll nun zeigen, in wie weit sich die Demokratie entwickelt hat und vormachen, wie sich Bürger gegen Bürokraten aus Brüssel wehren können.


Weil es grad so schön passt: Heute morgen hat Bild-Online einen interessanten Post gemacht:

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Beitext: „Guten Morgen, unser Thema: Alexis Tsipras‘ Wahlversprechen kosten uns 20 Mrd. Euro!“


Nachtrag 01.02.2015: 5 Tage nach Veröffentlichung des Beitrages kann die Hetzkampagne gegen Syriza bestätigt werden. Hier eine kleine Auswahl an negativen Meinungen über Tsipras und sein Kabinett unserer Politiker und Medienleute (Zusammengestellt von nachdenkseiten.de):

http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-der-wahl-in-griechenland-tsipras-wut-gefaehrdet-die-eu-1.2324598

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-01/griechenland-russland-europa-gefahr

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/griechenland-koennte-sanktionen-gegen-russland-verhindern-13395739.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-syriza-regierung-unter-tsipras-geht-bald-das-geld-aus-a-1015678.html

http://www.bild.de/politik/ausland/alexis-tsipras/griechenlands-regierung-der-nationalen-rettung-griechos-radikalos-39531384.bild.html

http://www.deutschlandfunk.de/griechenland-gefaehrlicher-krawall-kurs.720.de.html?dram:article_id=310042

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzmaerkte-angst-vor-athen-1.2326599

http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-eu-spitzen-wollen-sich-nicht-erpressen-lassen-a-1015762.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-presse-feiert-syriza-regierung-von-alexis-tsipras-a-1015723.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-presse-feiert-syriza-regierung-von-alexis-tsipras-a-1015723.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-presse-feiert-syriza-regierung-von-alexis-tsipras-a-1015723.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-eu-politiker-entsetzt-ueber-tsipras-plaene-a-1015567.html

http://www.rp-online.de/politik/ausland/regierung-in-athen-versetzt-die-europaeer-in-bruessel-in-sorge-aid-1.4834356

http://www.heute.de/eu-griechenland-und-die-schuldenkrise-oettinger-nennt-forderungen-aus-athen-unverschaemt-36956624.html

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/6069606/martin-schulz-warnt-alexis-tsipras-vor-konfrontationskurs.html

http://www.n-tv.de/politik/Ist-Griechenland-Putins-Trojanisches-Pferd-article14414771.html

http://www.stern.de/politik/ausland/griechenland-auf-kuschelkurs-mit-russland-putins-fuss-in-der-tuer-nach-bruessel-2169666.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/martin-schulz-reist-zu-tsipras-nach-griechenland-13396795.html

http://www.welt.de/wirtschaft/article136909073/Syriza-Buendnis-zerstoert-Griechenlands-Aufschwung.html

http://www.morgenpost.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/thema_nt/article136922225/EZB-ermahnt-Griechenland-zu-Vertragstreue.html

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/6067108/sigmar-gabriel-warnt-die-griechen.html

http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/griechenland-auf-neuem-kurs-spargegner-und-russlandfreunde-tsipras-regierung-schockt-bruessel_id_4438427.html

http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/neue-regierung-in-griechenland-juncker-fordert-von-tsipras-mehr-respekt-vor-europa_id_4438233.html

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-58363.html

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-01/griechenland-kabinett-ende-sparkurs

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-01/griechenland-russland-sanktionen-eu-ukraine-krieg-putin-tsipras

http://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/a-1015446.html

http://www.wiwo.de/politik/europa/wahlversprechen-vorzeitig-eingeloest-griechen-prellen-die-steuer/11293090.html

http://www.handelsblatt.com/politik/international/moeglicher-euro-austritt-tsipras-regierung-ist-groesste-gefahr-fuer-griechenland/11295030.html

http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/542137/zu-griechenland-hart-bleiben

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